
Niedersachsens Handwerk hat leicht an Substanz verloren, bleibt aber einer der wichtigsten Arbeitgeber des Landes. Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) mitteilt, gab es im Jahr 2024 in Niedersachsen 46.194 Handwerksunternehmen mit rund 578.000 Beschäftigten. Damit arbeitete fast jeder siebte Erwerbstätige im Handwerk. Im Durchschnitt waren damit 13 Personen in einem Unternehmen des zulassungspflichtigen oder zulassungsfreien Handwerks tätig. Die Unternehmen erzielten einen Gesamtumsatz in Höhe von 75,5 Milliarden Euro. Gegenüber dem Jahr 2023 ging die Gesamtzahl der Handwerksunternehmen um 1,0 Prozent (445 Unternehmen) und der Umsatz um 0,9 Prozent zurück.
Besonders stark ist das Handwerk im Westen Niedersachsens: Fast jeder zweite Euro wurde in der Region Weser-Ems umgesetzt. Hier waren mit 42,2 Prozent auch die meisten Personen im Handwerk tätig. Weit dahinter folgen Hannover, Lüneburg und Braunschweig. Den größten Beschäftigungsbereich bildet das Ausbaugewerbe. Bei Elektrotechnikern, Heizungsbauern, Tischlern und Malern arbeiteten 161.000 Menschen, gemeinsam erzielten sie 20,5 Milliarden Euro Umsatz. Weitere 154.000 Menschen waren in Handwerken für Unternehmen tätig, darunter allein 78.000 in der Gebäudereinigung. Dort war fast jeder zweite Beschäftigte lediglich geringfügig tätig. Einen noch etwas höheren Anteil gab es nur bei den Bestattungsunternehmen. Im gesamten Handwerk arbeitete dagegen nur knapp jeder Fünfte auf Minijob-Basis.

Bei der Ausbildung sieht das Handwerk unterdessen einen Aufwärtstrend. Die Zahl der Ausbildungsverträge ist nach Angaben der Landesvertretung der Handwerkskammern 2026 um fünf Prozent gestiegen. „Das Handwerk stemmt sich gegen den demografischen Trend“, sagte Kammerpräsident Eckhard Stein. Von Entspannung könne dennoch keine Rede sein: Fast zwei Drittel der mehr als 800 befragten Ausbildungsbetriebe haben ihre Stellen vollständig besetzt, weitere 13 Prozent hoffen noch auf Bewerber. Fast jeder vierte Betrieb rechnet dagegen damit, dass Plätze frei bleiben. Landesweit könnten so rund 3300 Ausbildungsmöglichkeiten ungenutzt bleiben. „Jeder unbesetzte Ausbildungsplatz ist mehr als eine betriebliche Lücke“, warnte Stein. Ohne Auszubildende fehlten später nicht nur Gesellen, sondern auch Meister und mögliche Betriebsnachfolger. Von der Politik fordern die Betriebe deshalb eine bessere Berufsorientierung an den Schulen und mehr Praxisphasen. Den größten Handlungsbedarf sehen sie allerdings beim Bürokratieabbau: 61 Prozent klagen über Dokumentationspflichten, die im Betriebsalltag Zeit für Führung und Ausbildung kosten.


