Die Deutsche Messe AG investiert auf dem Weg aus der Corona-Krise weiterhin hohe Beträge in externe Berater. Seit 2020 hat das Unternehmen, das sich im Besitz des Landes und der Stadt Hannover befindet, rund 6,2 Millionen Euro für Beratungsleistungen und Gutachten ausgegeben. Trotzdem ist bis heute unklar, wie hoch der Sanierungs- und Investitionsbedarf auf dem Messegelände tatsächlich ausfällt. Antworten darauf soll ein weiteres Gutachten liefern, das bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in Auftrag gegeben wurde. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Martina Machulla hervor.

Die Liste der beauftragten Beratungsunternehmen liest sich inzwischen wie ein Who's who der Restrukturierungsbranche. Nach dem Zusammenbruch des Messebetriebs während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 holte die Deutsche Messe AG zunächst die Boston Consulting Group an Bord, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. RSM Ebner & Stolz entwickelte anschließend ein Kostensenkungs- und Outsourcingprogramm. Es folgten weitere Mandate für AS+P, M&P Braunschweig sowie erneut RSM Ebner & Stolz zu den Themen Geländeentwicklung, Energietransformation und Restrukturierung einzelner Unternehmensbereiche. Für den Amtsantritt des neuen Sanierungsvorstands Konstantin Kühl schloss die Messe in diesem Jahr einen Beratervertrag mit der Ralf Schmitz CRO Management GmbH. Deren Namensgeber Ralf Schmitz ist in Niedersachsen vor allem als Sanierungschef der Meyer-Werft in Papenburg (Kreis Emsland) bekannt.
2025 hatte die Deutsche Messe AG bereits die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC mit einer umfassenden Unternehmensanalyse („Internal Business Review”) beauftragt. Sie soll den Sanierungs- und Investitionsbedarf ermitteln und die Grundlage für die strategische Ausrichtung bis 2030 liefern. Dafür wurde ein kurz zuvor an KPMG vergebener Auftrag zur Bewertung der Weiterentwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens gestoppt. Warum die Beraterfirmen plötzlich ausgetauscht wurden, erklärte die Landesregierung nicht.
Bei der Eigentümerstruktur hält sich das Land alle Optionen offen. „Aktuell werden keine Beteiligungen dritter Anteilseigner geprüft, aber solche werden für die Zukunft nicht grundsätzlich ausgeschlossen“, heißt es in der Antwort aus dem Wirtschaftsministerium. Der Einstieg privater Investoren scheint angesichts des vom Landesrechnungshof identifizierten Sanierungsstaus von über einer Milliarde Euro kaum noch vermeidbar. Im Wirtschaftsministerium tut man aber weiterhin so, als wäre die alarmierende Einschätzung der Rechnungsprüfer niemals an die lokale Presse geleakt worden. „Zu den vertraulichen Inhalten des Landesrechnungshofberichts äußert sich die Landesregierung nicht öffentlich“, wiegelt die Landesregierung in ihrer Antwort ab.

Neben dem Sanierungsstau bricht dem Konzern das Kerngeschäft weg. Die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit sei die „dringendste Herausforderung“, räumt das Wirtschaftsministerium ein. Tatsächlich schwächelt das Zugpferd: Die Hannover-Messe ist „im Vergleich zu den Vorjahren deutlich geschrumpft“. Um die Löcher in der Kasse zu stopfen, soll der Vorstand nun neue Veranstaltungen nach Hannover holen und die Ausfälle so „nachhaltig kompensieren“. Um das zu erreichen, wurde der Vorstand jüngst um Holger Feist erweitert, der zuvor schon die Messe München strategisch neu ausgerichtet hatte.
Ob der Kurswechsel gelingt, ist ungewiss. Sicher ist nur: Das finanzielle Polster ist dünn und das Risiko für den Steuerzahler hoch. Zwar schrieb die Deutsche Messe AG im vergangenen Jahr wieder schwarze Zahlen und erwirtschaftete einen Überschuss von 18 Millionen Euro bei 305 Millionen Euro Umsatz. Doch der Schuldenberg aus der Pandemie ist längst nicht abgetragen: Von dem ursprünglichen Corona-Kredit über 120 Millionen Euro stehen noch immer 44 Millionen Euro in den Büchern – eine Altlast, die eigentlich wenig Raum für millionenschwere Beraterhonorare lässt. Die Haftung liegt zudem bei der öffentlichen Hand: „Für die Hälfte des Kredits bürgt das Land im Falle eines Ausfalls in einer Höhe von 90 Prozent“, teilt das Ministerium mit. Welche Kosten aus der anstehenden Sanierung künftig auf Land und Stadt zukommen, dürfte das laufende Gutachten klären.


