
Für Umweltminister Christian Meyer (Grüne) ist es die schlimmste Mitteilung, die er in seiner Amtszeit der Öffentlichkeit machen musste, wie er vor Journalisten sagte: Er hatte keine andere Wahl, als dem französisch-russischen Joint Venture "Advanced Nuclear Fuels" (ANF) die Genehmigung zu erteilen, in Lingen Brennelemente russischen Typs zu fertigen. Bereits 2022 hatte das Unternehmen den Antrag gestellt. Seit Jahren korrespondierte Meyer dazu erst mit der Ampel, dann mit der schwarz-roten Bundesregierung. „Über das sicherheitspolitische Risiko müssen die Bundesbehörden entscheiden“, erklärte der Grünen-Politiker. Im Juni 2026 erhielt er schließlich die Antwort, es gebe keine rechtliche Möglichkeit, die Genehmigung nicht zu erteilen. „Diese Stellungnahme ist quasi eine Weisung“, sagte Meyer. Er selbst hält das Projekt aber für „politisch nicht zu verantworten“ und „eine Entscheidung gegen die Ukraine“. Es gebe Hinweise, dass der russische Kooperationspartner Rosatom direkt in Kriegshandlungen involviert sei. „Lingen wird zum Einfallstor für Putin“, befürchtet Meyer. Das Umweltministerium habe versucht, durch strenge Auflagen die Risiken zu minimieren: Mitarbeiter von Rosatom haben keinen Zutritt zu der Brennelementefabrik. Die Führungskräfte von ANF müssen jährlich an einer Schulung des Verfassungsschutzes teilnehmen. Jedes Brennelement wird mit einem Spezialscanner untersucht, um einen Sprengstoffanschlag oder andere Manipulationen auszuschließen. Britta Kellermann, die atompolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, kritisiert: „Angesichts andauernder hybrider Kriegsführung Russlands auch gegen die europäischen Verbündeten der Ukraine ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wieso die Sicherheitsbehörden der Bundesregierung hier kein Risiko sehen.“ Gegen die Genehmigung sind Klagen möglich.


