Um zu sehen, wie mit Landkarten Politik gemacht wird, muss man gar nicht erst über den Atlantik schippern und sich in den Golf von Amerika verirren. Erst kürzlich traf es auch der Deutschen liebstes Urlaubsziel: Mallorcas El Arenal hieß plötzlich auf Apples Karten schlicht wie wahr: „Betrunkene“. Ähnlich eigenmächtig agierte der Techkonzern vor nicht allzu langer Zeit auch in Niedersachsen. Als Bürger vor Gerichten noch für die Rettung der hannoverschen Hindenburgstraße stritten, hatte Apple den Weg entlang des Eilenriede-Ausläufers auf seinen Karten längst in Loebensteinstraße umbenannt.
Eine andere Namensänderung erregte derweil erst in der vergangenen Woche Aufmerksamkeit: Landauf, landab hatte jemand diverse Geschäftsstellen der CDU auf Google-Maps als „Eierhaus“ deklariert. Die Zentrale der Landespartei in Hannover blieb – zumindest dieses Mal – offenbar verschont. Vermutlich suchte man sie noch vergeblich in der alten Hindenburgstraße, die es ja längst nicht mehr gibt. Die wenige Kilometer entfernte Villa der CDU-Kreisparteien Hannover Land und Stadt war vom digitalen Streich unterdessen sehr wohl betroffen – wie viele andere Adressen von Osnabrück bis Braunschweig auch.

Während findige Journalisten rasch einen Bezug zu jüngsten Anti-Wehrpflicht-Protesten und einem Schild mit der Aufschrift „Merz leck Eier“ herstellten, fand die NOZ gar heraus, dass ein Nutzer namens „saftsackbeats“ sich zum Urheber der Aktion erklärt hatte. Er tat dies dem Vernehmen nach auf der Plattform „threads“. Mir war gar nicht bewusst, dass unter dieser Adresse noch von irgendjemand aktiv Botschaften verbreitet werden. Aber das soll nicht die größte Verwunderung an der ganzen Sache sein.
Fraglich bleibt nämlich auch, wie groß die Irritationen waren, die durch die Eierhaus-Aktion tatsächlich ausgelöst wurden. Unbestätigten Berichten zufolge irrten tausende CDU-Mitglieder tagelang durch zugeparkte Seitenstraßen auf der Suche nach ihren Parteizentralen, die sie aufgrund der Neuetikettierung einfach nicht mehr finden konnten. Stattdessen, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, mussten die Mitarbeiter der Kreisgeschäftsstellen hunderte Damen und Herren an der Türe abweisen. „Eier? Wir haben keine Eier!“, hieß es dann empört. Sie können sich vorstellen, wie groß die Enttäuschung auf der anderen Seite gewesen sein muss.
Wir hoffen, Sie heute nicht zu enttäuschen. Hier kommt unser Angebot:
Sie sehen: Die Wirklichkeit ist wieder ernst genug. Da muss man wenigstens die Skurrilitäten mit Humor nehmen – wie zum Beispiel die CDU Braunschweig, die am Sonntag kurzerhand zum Soleier-Essen ins eigene Eierhaus eingeladen hatte…
Ob mit Frühstücksei oder ohne: Starten Sie gut in die neue Woche!
Ihr Niklas Kleinwächter


