13. Apr. 2026 · 
TagesKolumne

Ei Ei Ei

Wer bei Google-Maps die örtliche CDU gesucht hat, stand zuletzt häufig vor einem Eierhaus. Die TagesKolumne geht der Frage nach, wie mit Landkarten Politik gemacht wird.

Um zu sehen, wie mit Landkarten Politik gemacht wird, muss man gar nicht erst über den Atlantik schippern und sich in den Golf von Amerika verirren. Erst kürzlich traf es auch der Deutschen liebstes Urlaubsziel: Mallorcas El Arenal hieß plötzlich auf Apples Karten schlicht wie wahr: „Betrunkene“. Ähnlich eigenmächtig agierte der Techkonzern vor nicht allzu langer Zeit auch in Niedersachsen. Als Bürger vor Gerichten noch für die Rettung der hannoverschen Hindenburgstraße stritten, hatte Apple den Weg entlang des Eilenriede-Ausläufers auf seinen Karten längst in Loebensteinstraße umbenannt.

Eine andere Namensänderung erregte derweil erst in der vergangenen Woche Aufmerksamkeit: Landauf, landab hatte jemand diverse Geschäftsstellen der CDU auf Google-Maps als „Eierhaus“ deklariert. Die Zentrale der Landespartei in Hannover blieb – zumindest dieses Mal – offenbar verschont. Vermutlich suchte man sie noch vergeblich in der alten Hindenburgstraße, die es ja längst nicht mehr gibt. Die wenige Kilometer entfernte Villa der CDU-Kreisparteien Hannover Land und Stadt war vom digitalen Streich unterdessen sehr wohl betroffen – wie viele andere Adressen von Osnabrück bis Braunschweig auch.

Foto: Adam Jeffers via Getty Images

Während findige Journalisten rasch einen Bezug zu jüngsten Anti-Wehrpflicht-Protesten und einem Schild mit der Aufschrift „Merz leck Eier“ herstellten, fand die NOZ gar heraus, dass ein Nutzer namens „saftsackbeats“ sich zum Urheber der Aktion erklärt hatte. Er tat dies dem Vernehmen nach auf der Plattform „threads“. Mir war gar nicht bewusst, dass unter dieser Adresse noch von irgendjemand aktiv Botschaften verbreitet werden. Aber das soll nicht die größte Verwunderung an der ganzen Sache sein.

Fraglich bleibt nämlich auch, wie groß die Irritationen waren, die durch die Eierhaus-Aktion tatsächlich ausgelöst wurden. Unbestätigten Berichten zufolge irrten tausende CDU-Mitglieder tagelang durch zugeparkte Seitenstraßen auf der Suche nach ihren Parteizentralen, die sie aufgrund der Neuetikettierung einfach nicht mehr finden konnten. Stattdessen, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, mussten die Mitarbeiter der Kreisgeschäftsstellen hunderte Damen und Herren an der Türe abweisen. „Eier? Wir haben keine Eier!“, hieß es dann empört. Sie können sich vorstellen, wie groß die Enttäuschung auf der anderen Seite gewesen sein muss.

Wir hoffen, Sie heute nicht zu enttäuschen. Hier kommt unser Angebot:

  • Deepfake-Skandal: Der Chef der CDU-Landtagsfraktion äußert sich öffentlich zum Deepfake-Skandal. Dabei kritisiert er das Vorgehen des Fraktionsgeschäftsführers und kündigt ein Schutzkonzept an.


  • Liberales Erbe: Hat die FDP noch eine Chance? Aber klar, meint Patrick Döring. Der Vize-Landesvorsitzende widerspricht Übernahmeangeboten von Grünen-Politikern.


  • Linke Extreme: Im Verfassungsschutzbericht für 2024 tauchte die Linkspartei nicht mehr auf, was Linksextremismus angeht. Dabei sind diese Strömungen offenbar stärker denn je zuvor.


  • Fall Hülya Iri: Das Insolvenzverfahren des Vereins „Integrationsarbeit Kronsberg“ schlägt politisch Wellen. Jetzt soll die frühere Vorsitzende die SPD verlassen, meinen ihre Genossen.


  • Personen und Positionen: Philipp Amthor bringt gemeinsam mit Frank Doods und Anke Pörksen die digitale Verwaltung voran, Olaf Lies reist nach China, Florian Mosig wechselt in die Staatskanzlei, Aurélie Alemany erfährt Gegenwind und gegen Ehsan Kangarani wird ermittelt.

Sie sehen: Die Wirklichkeit ist wieder ernst genug. Da muss man wenigstens die Skurrilitäten mit Humor nehmen – wie zum Beispiel die CDU Braunschweig, die am Sonntag kurzerhand zum Soleier-Essen ins eigene Eierhaus eingeladen hatte…

Ob mit Frühstücksei oder ohne: Starten Sie gut in die neue Woche!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #068.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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