17. Apr. 2026 · 
TagesKolumne

Die große Kura-Illusion

Anne Kura kritisiert den Tankrabatt als unsozial – und fordert Entlastung für Tesla-Fahrer. Eine Glosse über die hohe Kunst der grünen Zielgruppen-Wegzauberung.

Wer in der niedersächsischen Landespolitik über einen zu geringen Show-Faktor klagt, hat Anfang der Woche das Pressestatement der Grünen zum Tankrabatt nicht gelesen. Fraktionschefin Anne Kura liefert darin eine Performance ab, die man sonst eher aus Las Vegas, von den Ehrlich Brothers oder aus der Filmreihe "Die Unfassbaren – Now You See Me" kennt.

Kura beginnt ihre Vorstellung mit der klassischen „Nichts-in-den-Ärmeln“-Geste und warnt: „Ein Tankrabatt birgt die große Gefahr, dass viel Geld bei den Ölkonzernen hängen bleibt.“ Außerdem lande die Entlastung nicht zielgerichtet bei denen, die sie wirklich brauchen. Statt einer Preisbremse befürchtet die Osnabrückerin eine „Preisspirale nach oben“.

Verblüfft mit ihren magischen Fähigkeiten: Anne Kura. | Foto: GettyImages/DarthArt, Rundblick, Montage: Link

Wir im Publikum nicken zustimmend. Vor dem geistigen Auge erscheint uns der Pendler im ländlichen Raum, der fassungslos auf die Preistafel an der Tankstelle starrt. Doch während wir innerlich noch über gierige Konzerne schimpfen, vollzieht Kura schon den eigentlichen Zaubertrick. „Wir Grüne fordern seit langem eine deutliche Senkung der Stromsteuer“, lautet ihre magische Formel. Das sei treffsicherer als Steuergeschenke für Autofahrer und fördere zudem den Umstieg auf Wärmepumpen und E-Mobilität. Simsalabim!

Und siehe da: Sobald sich der Rauch der rhetorischen Nebelkerzen verzogen hat, ist die Kindergärtnerin, die täglich mit dem Fiat Panda zur Arbeit pendelt, plötzlich von der Bühne verschwunden – wahrscheinlich durch eine intellektuelle Falltür. An ihrer Stelle steht nun der stolze Besitzer eines Tesla und einer Wärmepumpe im Eigenheim. "Es gibt wirksame Alternativen zu einem Tankrabatt über eine geringere Energiesteuer", sagt Kura, während ihr noch ein paar Tauben aus dem Ärmel flattern.

Die Magie der Grünen hat gewirkt: Die Entlastung kommt plötzlich zu 100 Prozent an – nur bei einem ganz anderen Ziel. Statt den bedürftigen Verbrennerfahren profitieren jetzt die, die den Umstieg auf E-Mobilität längst geschafft haben. Der verblüffte Zuschauer fragt sich derweil, ob man an der Zapfsäule künftig auch mit Kartentricks bezahlen kann und ob bei den Grünen eigentlich immer dasselbe Kaninchen aus dem Hut springt.

Noch mehr raffinierte Streiche lesen Sie in der heutigen Rundblick-Ausgabe. Dort werden das Psychiatriegesetz entzaubert, das Gedankenlesen bei Bürgermeisterkandidaten geprobt und die niedersächsische Automotive-Branche von Brüssel zersägt. Unsere Themen:

  • Kritik am Psychiatriegesetz: Fachkräfte, Datenschützer, Betroffene und Kommunalverbände ließen kein gutes Haar am Entwurf der Landesregierung. Datenschutz und ärztliche Schweigepflicht würden ausgehebelt.


  • Anhörung im Innenausschuss: Rot-Grün will, dass kommunale Gremien künftig über die Verfassungstreue von Bürgermeisterkandidaten befinden. Das löst bei den Landtagsjuristen Bedenken aus.


  • Autobranche kritisiert Brüssel: Niedersachsenmetall warnt vor dem Verlust von 30.000 Jobs. Jedes zweite Unternehmen reduziert Stellen, Investitionen fließen ins Ausland – auch wegen der EU-Industriepolitik.


  • Personen & Positionen: Außerdem fordert Otto Ellerbrock vom Landesschülerrat das Ende der Kopfnoten, Hülya Iri lässt ihre SPD-Mitgliedschaft ruhen und in Georgsheil hat der Bau des neuen Zentralklinikums für Ostfriesland begonnen.

Einen zauberhaften Freitag wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #072.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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