Mit vorlauten Sprüchen, einem prominenten Weltmeister und einer weltbekannten Pfeifmelodie bricht das Land Niedersachsen mit seiner traditionellen Zurückhaltung. Die neue Standortkampagne „Niedersachsen. Das ist groß.“, die Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und Vizeregierungschefin Julia Hamburg (Grüne) am Montag in Berlin vorstellten, soll Investoren und Fachkräfte anlocken und die Bürger zu „Botschaftern für ihr Land“ machen. Laut Hamburg will Niedersachsen im Standortmarketing insgesamt lauter und selbstbewusster auftreten: „Wir spielen weit vorne mit in der Liga der großen Bundesländer. Wir sind groß aus Gründen.“ Den Anspruch untermauert das Land mit einer bundesweiten Neuheit: Das weltbekannte Pfeifen aus dem Scorpions-Hit „Wind of Change“ wird zum ersten akustischen Soundlogo eines Bundeslandes überhaupt. Die Melodie wurde laut Lies nicht nur ausgewählt, weil die Band aus Hannover stammt, sondern weil sie zu den größten Hits der Popgeschichte zählt – was, so der Ministerpräsident, „auch ein bisschen unser Anspruch ist“.

Im Zentrum der Werbeoffensive steht ein humorvoller, KI-generierter Imagefilm mit NBA-Star Dennis Schröder. Der gebürtige Braunschweiger, Welt- und Europameister, leiht der Kampagne Gesicht und Stimme. Trotz internationaler Karriere betonte Schröder in einem Videogrußwort seine Heimatverbundenheit: „Das ist für mich und für meine Familie eine Riesenehre. Ich glaube, dass wir was Cooles auf die Beine gestellt haben.“ Ministerpräsident Lies zeigte sich begeistert vom Einsatz des Basketball-Weltmeisters, der den Clip trotz des engen Terminplans im fernen Amerika unterstützte: „Das hat er mitten in der Playoff-Zeit gemacht. Das ist großartig.“ Im Film ist Schröder unter anderem beim Sprung aus einem Flugzeug in die Lüneburger Heide zu sehen, posiert als Bronzestatue vor der Leibniz-Universität Hannover, steht an einem Imbiss am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven oder verkündet: „Ich als Niedersachse empfehle Ihnen Niedersachsen.“ Die ersten Kampagnenmotive übersetzen die Stärken des Landes in selbstbewusste Slogans wie „Unendlich Watt. Wir sind Windkraftland Nr. 1“, „Keine Phrasen dreschen. Groß dreschen. Wir sind Agrarland Nr. 1“ oder „Unser Lieblingsrekord: 63.410 Babys. Wir sind Babyland Nr. 1“.

Hinterlegt werden die Superlative mit harten ökonomischen Fakten einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt bescheinigte dem Land ein enormes Potenzial in 25 untersuchten Wachstumsmärkten wie Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft, Biotechnologie, Photonik und Quantentechnologien, Künstliche Intelligenz und Robotik sowie Verteidigung. „Niedersachsen ist ein manchmal noch unentdeckter Chancenchampion, aber da hat die Kampagne die Gelegenheit, das zu ändern“, erklärte Bardt. Im bundesweiten Vergleich der Ausgangsbedingungen für zukünftiges Wachstum belegt Niedersachsen demnach einen „superstarken zweiten Platz“ knapp hinter Bayern. Das Land punktet unter anderem mit der Verfügbarkeit freier Industrieflächen für Neuansiedlungen. Laut Studie planen 46 Prozent der Industrieunternehmen in den kommenden zwei Jahren Erweiterungsinvestitionen. Auch abseits der Ballungsräume sieht der Ökonom große Stärken: „Die ländlichen, nicht metropolnahen Regionen in Niedersachsen sind auch stark, sie sind nicht abgehängt und bieten auch Potenziale.“
Die wirtschaftlichen Aussichten, die das IW für Niedersachsen bis ins Jahr 2035 prognostiziert, sind beachtlich: Durch die gezielte Erschließung der neuen Zukunftsmärkte beziffern die Forscher das zusätzliche Wertschöpfungspotenzial auf bis zu 60 Milliarden Euro – das entspricht rund 17 Prozent der bisherigen Wirtschaftsleistung. Zudem könnten dadurch bis zu 538.000 Arbeitsplätze entstehen und ein zusätzliches Steueraufkommen von elf Milliarden Euro generiert werden. Die Landespolitik reagiert mit der Kampagne auch auf langjährige Forderungen aus der Wirtschaft nach mehr Sichtbarkeit im harten Wettbewerb der Regionen. „Wir wurden oft gefragt: Warum haben wir nicht so eine bekannte, spritzige Kampagne wie andere Bundesländer? Da haben wir genau zugehört und gesagt: Das können wir auch“, sagte Vizeregierungschefin Hamburg. Ministerpräsident Lies ergänzte mit Blick auf die Zukunftsindustrien: „Wir haben eine Menge zu bieten, aber manchmal wird zu selten darüber gesprochen. Investoren sollen wissen, dass man das ganz große Ding in Niedersachsen machen kann.“


