24. Juli 2026 · 
MeldungVerkehr

Nach Güntzlers Absage sollte ein Niedersachse neuer Bundesminister werden - alles andere wäre bitter für die Landes-CDU

Wird ein Niedersachse von der CDU neuer Bundesverkehrsminister? Ein Göttinger ist aus dem Rennen, die Suche geht weiter

Der Rücktritt von CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn hat auch Wirbel in der Niedersachsen-CDU ausgelöst. Einige Stunden lang, seit Donnerstagabend, hatte es zunächst so ausgesehen, als würde der 60-jährige Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler aus Göttingen neuer Bundesverkehrsminister und Nachfolger von Patrick Schnieder werden, über dessen Entlassung am 24. Juli kräftig spekuliert wird. Eine Zusage Güntzlers soll es schon gegeben haben, in CDU-Kreisen galt der Aufstieg zur Schnieder-Nachfolge am Abend des 23. Juli als sicher. Er soll sich auch schon auf dem Weg nach Berlin befunden haben. Am Morgen des 24. Juli aber, drei Stunden vor der geplanten Vorstellung des neuen Teams durch Kanzler Friedrich Merz, soll der Göttinger abgesagt haben. Das hat zu Verwunderung und Verstimmung in der Niedersachsen-CDU geführt, da nun wieder die Chance für einen niedersächsischen Bundesminister verstrichen zu sein scheint. Schon bei der Bildung der neuen Bundesregierung vor anderthalb Jahren war die Niedersachsen-CDU als zweitgrößter Landesverband der Partei bei der Vergabe der Ministerposten leer ausgegangen. Kanzler Merz hat sich aus Niedersachsen bereits drei Absagen bei der Ministersuche eingehandelt: 2025 von David McAllister (Bundesaußenminister) und Mathias Middelberg (Staatsminister im Außenministerium), jetzt von Güntzler. Angebote gab es also, aber die Auserwählten wollten nicht.

Gerade bei Güntzler überrascht das schon. Der 60-jährige ist ein politischer Vollprofi, gehört seit vielen Jahren zum Führungskreis der CDU in Niedersachsen und pflegt einen guten Kontakt zu Parteichef Sebastian Lechner und der Parlamentarischen Geschäftsführerin Carina Hermann, die wie er in Göttingen wohnt. Der in Cuxhaven aufgewachsene Betriebswirtschaftler und Steuerberater gehörte von 1998 bis 2013 dem Landtag an und wechselte 2013 in die Bundespolitik. 2025 gewann er erstmals den Wahlkreis Göttingen direkt. Im Landtag begann Güntzler als Innenpolitiker, wechselte bald die Zuständigkeit und ist inzwischen seit vielen Jahren auf die Steuer- und Finanzpolitik spezialisiert. Als es vor wenigen Wochen um Details der anstehenden Rentenreform ging, fiel in Bundestagskreisen auf, wie vertrauensvoll und effektiv sich die beiden aus Südniedersachsen stammenden Finanzexperten Güntzler (Göttingen, CDU) und Frauke Heiligenstadt (Northeim, SPD) verständigt hatten. Dies hatte Eindruck auch im Kanzleramt hinterlassen. Mit Verkehrspolitik indes hat er bisher wenig zu tun gehabt. Vermutet wird, dass die kurzfristige Absage nach einer ersten Zusage private Gründe hat. Inoffiziell hieß es aber, er sei dann doch zu sehr auf sein angestammtes Themenfeld fixiert. Angeblich soll Güntzler nur wenige Stunden Bedenkzeit von Merz erhalten haben. Der Göttinger hat sich bisher nicht geäußert.

Güntzler ist verheiratet und hat zwei Kinder, er ist in Niedersachsen Präsident der Steuerberaterkammer. Hinter den Kulissen dürfte die Niedersachsen-CDU nun alles versuchen, eine niedersächsische Alternative für Güntzler als neuen Bundesverkehrsminister zu benennen. In Betracht käme etwa der Abgeordnete Mathias Middelberg aus Osnabrück. Wie es heißt, hat CDU-Landeschef Lechner ihn vor wenigen Tagen gegenüber Merz als „ministrabel“ bezeichnet - ebenso wie Güntzler und den früheren Staatsminister im Kanzleramt, Hendrik Hoppenstedt aus Hannover-Burgwedel. Merz hat sich dann wohl zunächst für Güntzler entschieden. Viele niedersächsische Christdemokraten haben nun die klare Erwartung an den Kanzler, dass jemand aus ihren Reihen neuer Bundesverkehrsminister wird. Alles andere, heißt es, wäre für den Landesverband eine Schmach - und das ein gutes Jahr vor der Landtagswahl. Nicht zuletzt die Stärke von Lechner hängt vom Ausgang dieser Personalie ab.

Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum

Artikel teilen

Teilen via Facebook
Teilen via LinkedIn
Teilen via X
Teilen via E-Mail
Nach Güntzlers Absage sollte ein Niedersachse neuer Bundesminister werden - alles andere wäre bitter für die Landes-CDU