
Am 21. Juni wird Heiner Wilmer (65), bisher Bischof von Hildesheim, sein neues Amt als Bischof von Münster antreten. Münster ist mit rund 1,6 Millionen Katholiken das größte Bistum in Deutschland. Da Wilmer seit einigen Monaten auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, kann er als „die wichtigste Stimme der Katholiken in Deutschland“ bezeichnet werden. In einer Pressekonferenz zum bevorstehenden Abschied aus Hildesheim erläuterte Wilmer am Montag, welche Positionen er vor allem in Rom gegenüber dem Papst vertreten will. Er erwähnte dabei die Ökumene, also das enge Zusammenwirken von Protestanten und Katholiken, aber auch den guten Kontakt zu den Juden, muslimischen Glaubensgemeinschaften und zur „säkularen Welt“. Der Kontakt zu dieser „säkularen Welt“, also zu den Menschen ohne Glaubensbekenntnis, sei ihm immer sehr wichtig gewesen.
Wilmer spricht von seinem Ziel, einen „entspannten Zugang zu Vernunft und Glaube“ zu finden. Die Ideen der Aufklärung etwa von Immanuel Kant, die sich einst gegen die Kirchenmacht richteten, könnten mit dem Glauben an Gott verknüpft werden. „Voneinander lernen und sich ernst nehmen“, laute die Botschaft. In Hildesheim habe er viele offene, fortschrittliche Menschen kennengelernt. Das von Cuxhaven bis Göttingen reichende Bistum Hildesheim mit seinen 500.000 Katholiken sei stark auch von muttersprachlichen Gruppen geprägt – vor allem Polen, aber auch Portugiesen, Kroaten, Spaniern und Italienern. Die Kirche habe es hier „nie dicke gehabt“, sondern immer sparen müssen – und kooperieren müssen. Nach acht Jahren Amtszeit als Hildesheimer Bischof spüre er, wie die Kirche hier sehr auf Kooperation und Verständigung angelegt sei – und das sei vorbildlich. Die großen Reformfragen des „synodalen Weges“ blieben aktuell und sollten spätestens 2028 auch bei der Weltsynode eine Rolle spielen – die Tätigkeit von Frauen als Priesterinnen, das Zölibat und die Stärkung der Demokratie in den internen Entscheidungsstrukturen. Das Thema „Missbrauch und Kirche“ wird im Bistum Hildesheim gerade in einer großen Studie aufbereitet, deren Abschluss für 2027 erwartet wird. Gefragt nach eigenen Fehlern sagt Wilmer, er habe in der Zeit der Corona-Pandemie mitverantwortet, dass Enkel sich von sterbenden Großeltern nicht verabschieden durften. „Das war falsch, denn Beziehung ist wichtiger als Gesundheit“, sagt Wilmer heute. Der Bischof stammt aus dem Emsland, ist ein Ordensmann und hat viele Jahre als Lehrer und Seelsorger gearbeitet - in Vechta, in Kanada, in New York und im Emsland.


