1. Juni 2026 · 
MeldungKirche

Bischof Wilmer wirbt für „Zugang zur säkularen Welt“ und die Philosophie von Immanuel Kant

Mit einem großen Fest am 6. Juni verabschiedet sich Heiner Wilmer als Bischof von Hildesheim. Er nimmt viele gute Erfahrungen aus Niedersachsen mit, betont der 65-Jährige.

Kurz vor dem Abschied aus Hildesheim: Heiner Wilmer, der neue Bischof von Münster. | Foto: Gossmann/bph

Am 21. Juni wird Heiner Wilmer (65), bisher Bischof von Hildesheim, sein neues Amt als Bischof von Münster antreten. Münster ist mit rund 1,6 Millionen Katholiken das größte Bistum in Deutschland. Da Wilmer seit einigen Monaten auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, kann er als „die wichtigste Stimme der Katholiken in Deutschland“ bezeichnet werden. In einer Pressekonferenz zum bevorstehenden Abschied aus Hildesheim erläuterte Wilmer am Montag, welche Positionen er vor allem in Rom gegenüber dem Papst vertreten will. Er erwähnte dabei die Ökumene, also das enge Zusammenwirken von Protestanten und Katholiken, aber auch den guten Kontakt zu den Juden, muslimischen Glaubensgemeinschaften und zur „säkularen Welt“. Der Kontakt zu dieser „säkularen Welt“, also zu den Menschen ohne Glaubensbekenntnis, sei ihm immer sehr wichtig gewesen.

Wilmer spricht von seinem Ziel, einen „entspannten Zugang zu Vernunft und Glaube“ zu finden. Die Ideen der Aufklärung etwa von Immanuel Kant, die sich einst gegen die Kirchenmacht richteten, könnten mit dem Glauben an Gott verknüpft werden. „Voneinander lernen und sich ernst nehmen“, laute die Botschaft. In Hildesheim habe er viele offene, fortschrittliche Menschen kennengelernt. Das von Cuxhaven bis Göttingen reichende Bistum Hildesheim mit seinen 500.000 Katholiken sei stark auch von muttersprachlichen Gruppen geprägt – vor allem Polen, aber auch Portugiesen, Kroaten, Spaniern und Italienern. Die Kirche habe es hier „nie dicke gehabt“, sondern immer sparen müssen – und kooperieren müssen. Nach acht Jahren Amtszeit als Hildesheimer Bischof spüre er, wie die Kirche hier sehr auf Kooperation und Verständigung angelegt sei – und das sei vorbildlich. Die großen Reformfragen des „synodalen Weges“ blieben aktuell und sollten spätestens 2028 auch bei der Weltsynode eine Rolle spielen – die Tätigkeit von Frauen als Priesterinnen, das Zölibat und die Stärkung der Demokratie in den internen Entscheidungsstrukturen. Das Thema „Missbrauch und Kirche“ wird im Bistum Hildesheim gerade in einer großen Studie aufbereitet, deren Abschluss für 2027 erwartet wird. Gefragt nach eigenen Fehlern sagt Wilmer, er habe in der Zeit der Corona-Pandemie mitverantwortet, dass Enkel sich von sterbenden Großeltern nicht verabschieden durften. „Das war falsch, denn Beziehung ist wichtiger als Gesundheit“, sagt Wilmer heute. Der Bischof stammt aus dem Emsland, ist ein Ordensmann und hat viele Jahre als Lehrer und Seelsorger gearbeitet - in Vechta, in Kanada, in New York und im Emsland.

  • Wer wird Wilmers Nachfolger? Wilmer sagte, er wünsche sich als Nachfolger „einen offenen Mann, der den Leuten mit Sympathie begegnet und Humor hat“. Das Verfahren ist so: Es gibt die acht Priester, die vom Bischof ernannt werden und dem „Domkapitel“ angehören. Diese bestellen zunächst einen Vertreter für Wilmer, sobald dieser nach Münster gewechselt ist. Außerdem bereitet das Kapitel eine Namens-Vorschlagliste für den neuen Bischof vor – im Vorfeld soll es dazu offenbar eine breitere Beteiligung der interessierten Katholiken im Bistum geben. Wie das geschehen soll, ist noch nicht öffentlich. Das „Domkapitel“ übersendet seine Liste dann an den päpstlichen Nuntius in Berlin. Dieser kann die Liste offenbar ergänzen oder ändern – und schickt sie dann per Boten nach Rom. Von dort soll eine Liste mit drei Namen zurückkommen nach Hildesheim – und, wie es heißt, können die Namen durchaus abweichen von denen, die auf den vorherigen Listen standen. Das „Domkapitel“ soll dann aus den drei Namen, die aus Rom übermittelt werden, einen aussuchen und zum neuen Bischof wählen, der dann formell noch vom Papst ernannt wird. Grundlage dieses Verfahrens ist das Preußische Konkordat von 1929. In anderen Gegenden gelten andere Regeln, in Bayern etwa ist die Macht des Papstes in der Personalfrage viel größer. Allgemein wird damit gerechnet, dass der Name des nächsten Hildesheimer Bischofs im Spätsommer oder Herbst 2027, etwa parallel zur Landtagswahl in Niedersachsen, feststehen wird.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #100.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum

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