22. Okt. 2015
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Am Rande: Wieder Streit um Ems-Naturschutz

(rb) Gegen die vom Land Niedersachsen geplante Ausweisung eines 2064 Hektar großen Naturschutzgebietes an der Unterems nimmt der Widerstand in Ostfriesland und dem angrenzenden Emsland zu. Nach Protesten von Gemeinden und Landkreisen warnt jetzt die Wirtschaft vor negativen Folgen für die Region, sollte das Land sein Vorhaben ungehindert umsetzen. So heißt es bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg, man mache sich Sorgen um die „Leichtigkeit des Schiffsverkehrs auf der Ems“. Größere Schiffstypen müssten die Ems weiterhin befahren können. Außerdem dürfe die Funktion der Schifffahrtsstraße nicht durch den Bau einer Sohlschwelle beim Emssperrwerk in Gandersum beeinträchtigt werden, stellte der IHK-Verkehrsausschuss fest. Die Pläne des für die Unterschutzstellung zuständigen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) werden auch von der Hafenwirtschaft in Emden skeptisch gesehen. So hält es der Schiffsmakler-Verband Ems für nicht nachvollziehbar, dass eine Bundeswasserstraße zum Naturschutzgebiet erklärt werden soll. Beim Bau einer Sohlschwelle gegen den Schlickeintrag in die Ems werde der Neubau einer Schleuse in das Sperrwerk bei Gandersum notwendig. Vom geplanten Naturschutzgebiet Unterems sind zahlreiche Kommunen an dem Fluss betroffen. Neben der Stadt Emden und dem Landkreis Leer sind das die Gemeinden Jemgum, Moormerland, Westoverledingen und Weener. Das Gebiet reicht von der Ortschaft Driever südlich von Leer bis zur Einmündung der Ems in den Dollart. Die Planungen des NLWKN sehen vor, das Areal unter Schutz zu stellen, um den Anforderungen der Europäischen Vogelschutzrichtlinie und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) nachzukommen. Nach Angaben der Landesbehörde soll der Unterlauf der Ems als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden, weil er Bestandteil des europaweiten ökologischen Netzes „Natura 2000“ ist. Er sei aufgrund „gemeinschaftsrechtlicher Verpflichtungen zwingend als Schutzgebiet“ zu sichern. Die NLWKN-Pläne sehen vor, Flachwasserzonen, Röhrichte und Auwälder in Ufernähe der Ems zu schaffen. Die CDU im Landkreis Leer befürchtet massive negative Auswirkungen für die Landwirtschaft an der Ems. Die Bauern würden in der Bewirtschaftung ihrer Höfe durch den hohen Landverbrauch für den „Masterplan Ems 2050“ bereits stark eingeschränkt. Jetzt sei zu befürchten, dass weitere landwirtschaftlich genutzte Flächen entlang der Ems für das Naturschutzgebiet geopfert werden müssen. Dieter Baumann, Fraktionsvorsitzender der CDU im Leeraner Kreistag, will mit seiner Fraktion dem Naturschutzgebiet nicht zustimmen, sollten der Landwirtschaft neben den 700 Hektar des Masterplans weitere 250 Hektar entzogen werden. Der Landkreis Leer will die Pläne für das neue Naturschutzgebiet ebenfalls ablehnen. Dort gehen die Befürchtungen viel weiter: Weil für das Naturschutzgebiet vorgesehene große Flächen derzeit als Schutzgebiete für Wiesenvögel ausgewiesen sind, kommt es wegen dieser Überschneidungen zu weiteren Problemen. Sollten Flächen für Wiesenvögel zugunsten des Naturschutzgebietes verlorengehen, müsste dafür an anderer Stelle Ersatz geschaffen werden. Das könnte erneut zu Lasten der Landwirtschaft gehen, befürchten die Christdemokraten. In den betroffenen Kommunen an der Ems führt die Ausweisung des Naturschutzgebietes zu ganz speziellen Problemen. So befürchtet die Gemeinde Jemgum Auswirkungen auf aktuelle Projekte im touristischen Bereich. Die Kommune plant am Jemgumer Hafen für mehrere 100 000 Euro den Bau eines Wohnmobil-Stellplatzes und will damit eine steigende Nachfrage von Urlaubern bedienen. Auflagen in der Schutzgebietsverordnung könnten diese Pläne durchkreuzen. Spielende Kinder müssten weiterhin zugelassen sein, heißt es in Jemgum. Die ostfriesische Kommune wendet sich auch gegen die Schaffung von Auwäldern außendeichs. Dort könnten sich Greifvögel niederlassen und die beheimateten Wiesenvögel vertreiben. ly
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #194.
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