
Die geplante Übernahme der Berentzen-Gruppe in Haselünne (Kreis Emsland) durch den US-Spirituosenkonzern Sazerac rückt näher: Vorstand und Aufsichtsrat haben den Aktionären nun auch offiziell empfohlen, das Angebot über 5,55 Euro je Aktie anzunehmen. Um den Anteilseignern den Verkauf schmackhaft zu machen, verweisen die beiden Berentzen-Vorstände Oliver Schwegmann und Ralf Brühöfner auch auf ein drohendes Schreckensszenario aus Berlin: So dürften die geplante Anhebung der Alkoholsteuer auf Spirituosen um 20 Prozent ab Januar 2027 und die Einführung einer Zuckersteuer im Juli 2027 die Geschäfte künftig erschweren. Fast 90 Prozent seines Umsatzes macht Berentzen mit Spirituosen und alkoholfreien Getränken, darunter auch zuckerhaltige Limonaden. Der Kaufpreis sei vor diesem Hintergrund angemessen und fair, heißt es. Für die rund 430 Beschäftigten bringt die geplante Übernahme allerdings weniger Sicherheit als die Ankündigungen zunächst vermuten ließen. Wie aus der jetzt veröffentlichten, 41-seitigen Stellungnahme hervorgeht, gelten die Zusagen der Amerikaner nur für ein Jahr nach der Übernahme. So lange will Sazerac die Konzernzentrale in Haselünne und das Produktionswerk in Minden „nicht schließen, verlegen oder wesentlich verkleinern“. Auch Löhne und Sozialleistungen sollen in dieser Zeit nicht wesentlich verschlechtert werden. Beim Kündigungsschutz bleibt allerdings eine Hintertür: Betriebs- oder integrationsbedingte Entlassungen sind nur ausgeschlossen, soweit sie Beschäftigte „wesentlich betreffen“. Was das bedeutet, ist nicht näher festgelegt. Einzelne Kündigungen bleiben damit möglich. Wie es mit den Standorten und der Belegschaft langfristig weitergeht, soll erst ein nach der Übernahme zu entwickelndes Integrationskonzept zeigen.
Wirtschaftlich steht Berentzen schon länger unter Druck. Dabei hatte der Hersteller von Apfelkorn, Puschkin-Wodka und Mio Mio erst 2024 eine große Wachstumsoffensive gestartet. „Damit schalten wir vom Defensiv-Modus auf Angriff über“, verkündete Schwegmann damals. Mit dem Programm „Building Berentzen 2028“ sollte der Umsatz bis 2028 auf 235 Millionen Euro steigen. Doch der Alkoholkonsum befindet sich weiter im Sinkflug, die Verbraucher halten ihr Geld zusammen und der Preiskampf im Handel bleibt hart. Schon Ende 2025 musste Berentzen seine Ziele zurückschrauben: Die neue Strategie „Berentzen Evolve 2030“ sieht erst für 2030 einen Umsatz von mehr als 200 Millionen Euro vor. Im ersten Halbjahr 2026 brach der Betriebsgewinn von 3,2 Millionen auf nur noch 600.000 Euro ein. An der Börse hatte die Aktie bereits 2024 rund ein Drittel ihres Wertes verloren. Vor Bekanntwerden der Übernahmegespräche notierte sie nur noch bei rund 3,40 Euro. Die Aktionäre haben noch bis zum 20. November Zeit, ihre Anteile Sazerac anzubieten.


