4. Nov. 2015
Archiv

Zur Sache: Europäischer Medizincampus

(rb) Die vor vier Jahren an den Hochschulen im holländischen Groningen und in Oldenburg gegründete medizinische Fakultät, die European Medical School (EMS), läuft augenscheinlich gut. Seinerzeit hatte die schwarzgelbe Landesregierung 40 neue Medizinstudienplätze an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg geschaffen für einen neuen, integrierten Modellstudiengang Humanmedizin mit starker Praxis- und Forschungsorientierung vom ersten Semester an. Inbegriffen ist der Studierendenaustausch mit der Rijksuniversiteit Groningen und dem Universitair Medisch Centrum Groningen. Zuvor hatte es Überlegungen gegeben, neben der Medizinischen Hochschule Hannover eine weitere medizinische Fakultät in Osnabrück aufzubauen. Die hohen Investitionskosten, die Nähe zum benachbarten Medizin-Standort Münster und das Fehlen einer einschlägigen Fakultät im Nordwesten sprachen am Ende dagegen. Die Anregung kam aus der Huntestadt selbst. Dort kooperierten die drei innerstädtischen Krankenhäuser – das städtische Klinikum Oldenburg, das Evangelische Krankenhaus und das (katholische) Pius-Hospital – bereits seit vielen Jahren erfolgreich miteinander. Der universitätsmedizinische Standort Oldenburg gründet sich auf die Zusammenarbeit der Carl von Ossietzky Universität mit diesen Kliniken und zusätzlich mit der Karl-Jaspers-Klinik (Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie) im Bad Zwischenahner Ortsteil Wehnen. Mit der Einbindung der in der Nordwest-Region niedergelassenen Ärzt/innen in ein Praxen-Netzwerk für Hospitationen und Praktika vom ersten Semester an soll die EMS außerdem dem Ärztemangel in der Fläche entgegenwirken. Nach Auskunft von Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić auf eine Anfrage aus der FDP-Landtagsfraktion haben sich bisher 167 Praxen bei der Oldenburger Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften zur Mitarbeit gemeldet. Davon wurden bereits 104 in 303 Einzelschulungen auf eine oder mehrere (maximal fünf) Hospitationen vorbereitet, darunter viele Gemeinschaftspraxen und/oder beschäftigte Angestellte, so dass die Zahl der tatsächlich beteiligten Allgemeinmediziner/innen deutlich höher liege. Sechs Praxen hätten ihre Mitarbeit mittlerweile beendet, teilte das Ministerium jetzt mit. Ob die EMS die Erwartungen erfüllt, wird sich in vier Jahren zeigen. Nach dem Niedersächsischen Hochschulgesetz muss die Evaluation des Modellversuchs zum 1. Oktober 2019 angegangen und deren Ergebnisse dem Landtag spätestens zum 30. Juni 2020 vorgelegt werden. Bisher haben sich pro Wintersemester jeweils 40 Studienanfänger/innen im ersten Fachsemester in den Modellstudiengang Humanmedizin eingeschrieben. Elf Studierende haben ihr Studium mittlerweile abgebrochen oder die Hochschule gewechselt. Zusätzlich gaben vier Studierende innerhalb der ersten zwei Studienwochen das Studium auf, nachdem sie sich erst über die Warteliste immatrikulieren konnten. Alle frei gewordenen Studienplätze seien wieder besetzt, aktuell insgesamt 160 Studierende eingeschrieben. An eine Ausweitung der Studierendenplätze werde derzeit nicht gedacht, heißt es. bri
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #203.
admin
Autoradmin