26. Nov. 2015
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Zum Tage: Neue Heimat für Flüchtlinge in Südniedersachsen

(rb) Nach den positiven Erfahrungen mit dem „Integrationszentrum Friedland“ könnte ein vergleichbares Projekt zur individuellen Förderung von Flüchtlingen mit Bleiberechtsperspektive schon bald im Harz entstehen. Der Oberbürgermeister der Stadt Goslar, Dr. Oliver Junk, hat gemeinsam mit dem Leiter der Arbeitsgruppe „Ideenwerkstatt Südniedersachsen“ der CDU-Landtagsfraktion, Innenminister a.D. Uwe Schünemann, und dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) ein Konzept für ein Integrationszentrum in der ehemaligen Familienferienstätte Kloster Grauhof erarbeitet, das am Mittwoch in Goslar der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Insbesondere die Landkreise Goslar und Osterode sind von der demografischen Entwicklung besonders stark betroffen. Für diese Region ist ein Einwohnerrückgang von bis zu 30 Prozent prognostiziert. Leerstehende Wohnungen und ein beginnender Fachkräftemangel sind schon heute die Folgen. Der Zuzug von anerkannten Asylbewerbern bietet nach Überzeugung der drei Projektpartner eine Chance, diesem negativen Trend entgegenzutreten: Um die Flüchtlinge auf Dauer im Harz zu halten, müsse ihnen neben dem vorhandenen Wohnraum eine berufliche Perspektive gegeben werden. Zwar gelte Südniedersachsen als strukturschwach, dennoch fänden Arbeitgeber schon heute in einigen Branchen keine Mitarbeiter/innen oder Auszubildenden. Der Harz sollte sich daher aktiv um die Ansiedlung z. B. von Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien oder dem Irak bemühen. Nicht hilfreich dagegen sei die bisherige Praxis des Landes, überwiegend Asylbewerber aus den Balkanstaaten, die keine Bleibeperspektive hätten, auf die Kommunen in dieser Region zu verteilen. Diese sollten vorrangig in zentralen Aufnahmeeinrichtungen bleiben, meinen die Initiatoren. Das „Integrationszentrum Kloster Grauhof“ könnte eine Blaupause für alle Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen werden. Wenn das Land in diesem Jahr etwa 100 000 Flüchtlinge aufnimmt, davon 60 Prozent mit einer Bleibeperspektive, könne man davon ausgehen, dass zwischen 40 000 bis 50 000 in Integrationszentren auf das Leben in Niedersachsen vorbereitet würden. Bei 37 Landkreisen, der Region Hannover und acht kreisfreien Städten würde das bedeuten, dass jede dieser Kommunen ein Integrationszentrum mit 250 Plätzen bzw. insgesamt 1000 pro Jahr vorhalten müsse. Das sei absolut machbar, glaubt Schünemann. Die aufnehmende Gemeinde habe darüber hinaus die Möglichkeit, in den ersten drei Monaten bereits Kontakt mit den Flüchtlingen aufzunehmen, Vereine, Verbände könnten sich vorstellen. Das Modell setzt von Anfang auf gezielte und intensive Integrationsmaßnahmen nach dem Prinzip „Fördern und Fordern“, auf ein ganzheitliches Management jedes einzelnen „Falls“ durch das BNW. Dieses umfasst sowohl die berufsbezogene Sprachvermittlung, die Kompetenzfeststellung in den Landesaufnahmeeinrichtungen und im Betrieb als auch eine „Unterstützungsplanung“, sogenannte Wegweiserkurse, Nachqualifizierungen und die kontinuierliche Betreuung an der Arbeits-/Praktikumsstätte. Grundlage dafür ist das Bündeln aller Tätigkeiten der beteiligten Akteure an einem Ort. In dem Integrationszentrum sollen sich Verwaltung, Bildungseinrichtungen, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Arbeitgeberverbände und ehrenamtliche Initiativen zu einem Integrationsnetzwerk zusammenschließen, in dem jeder einzelne Integrationsschritt abgestimmt und koordiniert wird. Der jeweilige Landkreis schließt im Auftrag des Landes einen „Integrationsvertrag“ mit jedem Asylbewerber. Dieser verpflichtet beide Seiten, alle Anstrengungen zu unternehmen, um eine erfolgreiche Integration zu erreichen. Die Asylbewerber/innen erhalten Anspruch auf Integrationsmaßnahmen mit der Auflage, an diesen regelmäßig und gewissenhaft teilzunehmen und mitzuwirken. Die Organisation und Finanzierung von Sprachkursen für Erwachsene und Kinder, die Weiterbildung zur Anerkennung von Abschlüssen, die Unterbringung in einem Integrationszentrum werden in einer Vereinbarung zwischen dem Land und dem Landkreis geregelt. Die Flüchtlinge mit Aufenthaltsperspektive sollen nach der Registrierung in der Landesaufnahmeeinrichtung zunächst für drei Monate in einem Integrationszentrum wohnen. Die ehemalige Familienferienstätte Kloster Grauhof, die sich im Besitz der Klosterkammer befindet und am nördlichen Stadtrand Goslars liegt, biete dafür optimale Bedingungen, hieß es am Mittwoch. bri
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #219.
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