26. Apr. 2016
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Zum Tage: Barackomanie

(rb) Geschafft. Hannover hat das Mega-Ereignis Barack Obama unfallfrei überstanden. Alle sind auf ihre Kosten gekommen, die Fans und die Begeisterten ebenso wie die Mäkler und Bedenkenträger. Selbst die extremistischsten TTIP-Gegner haben sich vergleichsweise friedlich aufgeführt. Die Anwohner in den Sperrgebieten um das CongressCentrum und das Schloss Herrenhausen herum haben die Zeit davor, währenddessen und danach mit Fassung getragen – und können jetzt endlich ihren Müll wieder auf die Straße stellen. Im Großen und Ganzen waren wir aber trotz aller Umständlichkeiten, Pinglichkeiten und auch des überdimensionalen, aber wohl notwendigen Sicherheitsaufwandes eigentlich doch sehr stolz, dass eine der letzten großen Reisen des amerikanischen Präsidenten ausgerechnet in die niedersächsische Landeshauptstadt geführt hat. Das gilt beileibe nicht nur für Ministerpräsident Stephan Weil und Oberbürgermeister Stefan Schostock, der mit dem Goldenen Buch der Stadt letztlich erfolgreich hinter Obama hergelaufen ist. Der US-Präsident ist eben kein George W. Bush, dem wir nicht wirklich über den Weg getraut haben, sondern Obama wird hierzulande verehrt wie ein Popstar („Barack, ich will ein Bild von dir“). Da ist die Frage, wer soll das eigentlich alles bezahlen, eher zweitrangig, zumal die millionenschere Endabrechnung ohnehin Monate auf sich warten lassen wird. Bis dahin ist die Aufregung verflogen, die Nörgler haben längst wieder die Oberhand gewonnen und können sich im Klein-Klein der Provinz ergehen. Gegenwärtig genießen wir alle noch ein wenig den Flair der großen weiten Welt, der mit der Air Force One und dem „Beast“ nach Hannover kam. Wir haben in diesen Tagen auch viel gelernt über ein Präsidentenleben. Zum Beispiel, dass er bei seinen Reisen im Grunde nur Geisterstädte zu sehen bekommt, denn wir Normalsterblichen dürfen uns ja noch nicht einmal am Fenster sehen lassen, geschweige denn winken. Wer winkt, wird erschossen, war zu befürchten. An einen direkten Kontakt, das berühmte Bad in der Menge, ist ja heutzutage überhaupt nicht mehr zu denken. Schade eigentlich. Eine Kulisse, wie sie John F. Kennedy bei seinem legendären „Ich bin ein Berliner“ mit Tausenden von Menschen seinerzeit vor dem Rathaus Schöneberg erleben durfte, hätten wir dem populären Obama vor dem mindestens ebenso schönen Rathaus in Hannover auch bieten können, wenn wir gedurft hätten – dem reflexartigen Hannover-„Bashing“ aus anderen Metropolen und deren Medien, das wir seit der Expo 2000 ja gewohnt sind, zum Trotz. Fast hätten wir über die Begeisterung vergessen, dass auch noch andere Größen in der Stadt waren, darunter die eigene Kanzlerin, die ungestraft mit Obama turteln durfte, und dass es neben dem Großereignis Hannover-Messe um nichts Geringeres als um die Weltpolitik ging. Das wird uns vielleicht beim nächsten Mal wieder beeindrucken, falls es in Hannover noch einmal zu einem solchen Aufgallopp der politischen Prominenz kommen sollte. Ein Barack Obama wird uns auf jeden Fall nicht wieder beglücken. az
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #80.
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