5. Nov. 2026
MeldungJustiz

Ermittlungen gegen SPD-Politiker können noch Monate dauern – und belasten die Betroffenen

Die Beschuldigten konnten inzwischen Akteneinsicht nehmen – doch ein Abschluss der Ermittlungen ist in diesem Jahr unwahrscheinlich. Die Staatsanwaltschaft braucht noch Zeit.

Gute Karten bei Ermittlungen? Steffen Krach. | Foto: Axel Herzig

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die SPD-Politiker Steffen Krach, Stefan Politze und Adis Ahmetovic gehen weiter – womöglich noch einige Monate. Die sichergestellten elektronischen Daten müssten noch ausgewertet werden, erklärt die Justizbehörde. Nach Informationen des Politikjournals Rundblick haben die drei über ihre Anwälte jedoch schon Einblick nehmen können in die rund 7000 Seiten starken Akten – und wissen jetzt also, was man ihnen konkret vorwirft. Unterlegt werden dürfte das noch durch Material, das bei den Durchsuchungen der Wohnungen und Büros gefunden wurde. Nach dem bisherigen Stand kann man folgende vorsichtige These wagen: Dass sich die Vorwürfe gegen Krach und Ahmetovic erhärten oder ausweiten, deutet sich derzeit nicht an. Bei Politze sieht der Fall offenbar etwas komplizierter aus, da hier der Verdacht im Raum steht, er habe den Unternehmer Gaurav Garg zur Stückelung von Spenden animiert – also zu einer Verschleierung aufgerufen.

Stefan Politze (links) und Adis Ahmetovic werden mit unterschiedlichen Vorwürfen konfrontiert. | Fotos: SPD, Büro Ahmetovic

Die Beteiligten hüllen sich, ebenso wie die Staatsanwaltschaft Hannover, bisher in Schweigen. So viel ist bekannt: Es geht um ein Bieterverfahren zum Verkauf des Klinikgeländes in Lehrte (Region Hannover). Der Bieter Gaurav Garg soll interne Informationen über das – geheime – Angebot des Konkurrenten erhalten haben, sodass er seinen Preis anpassen konnte. Vorher schon soll Garg eine Spende von 9900 Euro an die SPD Berlin gerichtet haben – die diese aber wegen des Interessenkonfliktes ablehnte. Politze wird vorgehalten, er habe mit Garg über den Umgang mit Spenden für die SPD kommuniziert. Dabei sei auch von Stückelung oder Verschleierung gesprochen worden. Krach und Ahmetovic stehen im Verdacht, wichtige Informationen an Garg weitergegeben zu haben.

Wie könnten die Beschuldigten jetzt auf diese Vorwürfe reagieren?

  • Steffen Krach: Wie zu hören ist, hat Politze den Kontakt zwischen Krach und Garg vermittelt. Das soll 2023 gewesen sein, es soll um die Anwerbung von Pflege-Fachkräften aus Indien und Brasilien gegangen sein. Politze und der hannoversche SPD-Ratsherr Bala Ramani, der einen indischen Verein in Hannover leitet, hatten aus dem Kreis der Beteiligten offenbar die besten Kontakte zu Garg. Man kann davon ausgehen, dass Krach den Vorwurf des Geheimnisverrats und des Eingriffs in den Bieterwettbewerb zurückweist. Es kommt der Name des Lehrter SPD-Ratsherrn Hans-Jürgen Licht ins Spiel, der Unterlagen weitergegeben haben und dafür sogar schon belangt worden sein soll. Da Licht auch Mitglied im Verwaltungsausschuss der Stadt Lehrte war, habe Krach ihm in dieser Funktion interne Dokumente zukommen lassen dürfen. Die Spende von Garg an die Berliner SPD wies diese nach Krachs Intervention zurück, es habe also keine Bestechung gegeben. Dass Krach sich für die Beschleunigung eines Bauantrags zur Pflegeschule in Isernhagen (Betreiber ist Garg) einsetzte, ist zutreffend – aber es heißt, es sei um Brandschutz und Parkplätze gegangen, und eine solche Nachfrage des Regionspräsidenten bei den zuständigen Stellen seiner Verwaltung sei nichts Ungewöhnliches.


  • Adis Ahmetovic: Zwischen Krach und dem SPD-Stadtchef in Hannover, Adis Ahmetovic, gab es über die Jahre viele Kontakte – auch zu dem Thema des Krankenhausgeländes in Lehrte. Ahmetovic wird vorgeworfen, geheime Informationen weitergetragen und so den Bieterwettbewerb verzerrt zu haben. Auch hier könnte der Beschuldigte erwidern, dass die angeblich geheime Information zum Zeitpunkt der Weitergabe gar nicht mehr geheim war, da sie vorher auf anderem Wege schon zu Garg gekommen war. Noch unklar ist, ob bei den umfangreichen Durchsuchungen bei Krach oder Ahmetovic Hinweise auf andere Zusammenhänge gefunden sein könnten, beispielsweise fragwürdige Spenden für die SPD, die an politische Entscheidungen der Region gekoppelt gewesen sein könnten. Oder aber von Ahmetovic unterstützte Konzepte, die darauf hindeuten, dass eine enge Kooperation zwischen dem einen Bieter und der SPD bestanden hat. Bisher sind solche Dinge aber nicht bekannt.


  • Stefan Politze: Bei Politze geht es um den Verdacht der Vorteilsannahme. Hat er Garg gebeten, auf bestimmten Wege der SPD eine Spende zukommen zu lassen – und wird aus den Unterlagen klar, dass eine Verbindung zu bestimmten Entscheidungen der Region Hannover besteht, auf die Politze im Kontakt mit Krach oder Ahmetovic Einfluss genommen hat? Erwidern könnte Politze, dass es nur um den Umgang mit Spenden ging und nicht um eine etwaige Gegenleistung. Außerdem sei die 9900-Euro-Spende ja auch gar nicht bei der SPD in Berlin verbucht worden. Spannend dürfte die Frage sein, ob die Ermittler in den Handy- oder Computerdaten auf weitere Spenden von Garg oder anderen stoßen, die in einem fragwürdigen Verhalten zu politischen Entscheidungen stehen, auf die Politze hingewirkt hat. Bisher gibt es auch hier keine konkreten Anhaltspunkte.

Dass die Aufklärungsarbeit der Justiz vermutlich noch Monate dauern kann, belastet die politische Arbeit von Krach und Ahmetovic enorm. Krach peilt den Fraktionsvorsitz der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus an. Seine internen Gegner könnten das laufende Verfahren als Argument gegen ihn anführen. Ahmetovic ist in seiner Rolle als außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion geschwächt, außerdem gilt das auch für sein Standing im innerparteilichen SPD-Machtkampf in Niedersachsen.  

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #197.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum
Ermittlungen gegen SPD-Politiker können noch Monate dauern – und belasten die Betroffenen | Rundblick Niedersachsen