Ich empfinde es als ungerecht, dass für die Theater in Hannover, Oldenburg und Braunschweig insgesamt 100 Millionen Euro fließen, für die sieben anderen kommunalen Theater mit eigenen bespielten Bühnen aber nur 20 Millionen Euro.2
Weil Schwandner dies in der Anhörung des Landtagsausschusses mit der Aussage verknüpfte, die letzten Erhöhungen der Zuschüsse seien allein vom Land und nicht von den betroffenen Kommunen geleistet worden, reagiert der Verhandlungsführer der Kommunen nun verärgert. Ulrich Mädge, Oberbürgermeister von Lüneburg, spricht von einer „Ungleichbehandlung“. Die Aussage von Schwandner sei irreführend, denn natürlich hätten die Kommunen ihren Anteil getragen und 60 Prozent der Tariferhöhungen getragen. Das Wissenschaftsministerium zeige sich hier also wenig entgegenkommend – und das führe dazu, dass eine Lösung nicht erreicht werden könne. Grundsätzlich sieht Mädge eine Regelung, die nicht weiterführe. So werden die Kultureinrichtungen in der Landeshauptstadt Hannover weitgehend vom Land getragen, dies ist vor Jahren so geregelt worden. In Oldenburg und Braunschweig würden die dortigen Staatstheater ebenfalls größtenteils vom Land finanziert, begründet wird dies unter anderem damit, dass beide Städte auch die früher selbstständigen Länder repräsentieren, die laut Artikel 72 der Landesverfassung einen besonderen Schutz genießen. „Ich empfinde es aber als ungerecht, dass für die Theater in Hannover, Oldenburg und Braunschweig insgesamt 100 Millionen Euro jährlich fließen, für die sieben anderen kommunalen Theater mit eigenen bespielten Bühnen aber nur 20 Millionen Euro.“
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Der Ruf nach einer Vereinheitlichung und Angleichung der Förderung wird auch von Mädge erhoben. Er erklärt allerdings die vielen Unterschiede, die teilweise vor langer Zeit geregelt wurden. So wird in Celle beispielsweise das Schloss für Aufführungen vermietet, was eingerechnet werden muss. Wenn man die Förderung der sieben Theater auf eine einheitliche Basis stellen wolle, benötigte man laut Mädge etwa zehn Millionen Euro zusätzlich – damit man die Ausstattung, das Personal und die Angebote vernünftig regeln könne. Die kommunalen Etats seien damit überfordert, da einige Städte wie Lüneburg und Hildesheim wegen der Zukunftsverträge Sparzwängen unterworfen seien. Überfällig sei eine solche Aufstockung dennoch, schon allein wegen der teilweise sehr niedrigen Löhne der Bühnen-Mitarbeiter. Da die Politik in Hannover nicht bereit sei zu einer kräftigen Erhöhung der Zuschüsse, fordern die sieben Kommunen nun statt 3,375 Millionen nun 4,0 Millionen Euro an jährlicher Förderung, damit wenigstens die Tariferhöhungen aufgefangen werden könnten. Es zeichnet sich derweil ab, dass die Landtagsfraktionen von SPD und CDU diesen Weg mitgehen werden – und den Regierungsentwurf hier entsprechend abändern. 2018 hatte dieses Thema schon einmal heftigen Streit verursacht, auch damals war der Ansatz im Etatentwurf der Regierung zu knapp bemessen, die Landtagsfraktionen mussten nachsteuern. Damals hieß es, das Kabinett solle hier selbst von vornherein mehr Geld bereitstellen, damit nicht jedes Jahr aufs Neue wieder nachgesteuert werden müsse. Mädge meint, nicht nur ein solcher Schritt sei überfällig, es müsste endlich auch grundsätzlich über ein neues Modell der Theaterförderung gesprochen werden.


