Als Rundblick-Leserin oder -Leser wissen Sie: Insekten sind politisch. Regelmäßig geht es in der Landespolitik darum, Schädlinge und invasive Arten zurückzudrängen und Lebensräume für fleißige Bestäuber zu erhalten. Immer mal wieder kommen Insekten ins Gespräch, wenn neue Proteinquellen für Mensch und Tier gesucht werden. Aber hat auch mal jemand gefragt: Wie sehen die Insekten eigentlich uns? Das übernehmen jetzt zehn Kultureinrichtungen in der Region Hannover. Sie widmen mit der „IntraRegionale 2026“ einen ganzen Kunstsommer den Insekten. Lokale Kulturschaffende, meinen die Veranstalter, sind so etwas wie die fleißigen Bienchen des Kulturbetriebs. „Kleine Kunstinstitutionen und Insekten haben gemeinsam, dass sie oft übersehen und für nicht so wichtig befunden werden, fällt der Blick doch eher auf die großen Tiere und großen Ereignisse. Die Arbeit der Insekten und der kleinen Kunsträume bilden jedoch die Voraussetzung für eine reichhaltige Ernte“, sagt Julienne Franke, Leiterin der Städtischen Galerie Lehrte.

Wer im idyllischen Park von Gut Harms in Neustadt am Rübenberge das Anti-Brumm-Spray in der Tasche lässt, bekommt prompt Antworten auf die Frage, wie Mücken ihn sehen: als Nahrungsquelle! Hier erfährt man mutmaßlich am eigenen Leib und auf jeden Fall durch die Arbeiten der Künstlerin Anna von Siebenthal: Zur Produktion ihrer Eier braucht die Mücke Blut. Deswegen kann sie uns riechen und orten.
Damit sind wir schon fast bei der heutigen Rundblick-Ausgabe. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius präsentierte auf der Hannover-Messe seine Strategie der „wehrhaften Wertschöpfung“. Wenn ich unseren Wirtschaftsexperten Christian Wilhelm Link richtig verstanden habe, reagierten die Industrievertreter eher zurückhaltend. Wer auf schimmernde Panzer und Attacken in Schwärmen gehofft hatte, sollte sich an die Insekten halten. „Die stählernen Kolosse des Magdeburger Bildhauers Joachim Röderer vermitteln ganz direkt, warum Insekten mit ihren Chitinpanzern seit 480 Millionen Jahren höchst erfolgreich unseren Planeten besiedeln“, heißt es im Programmflyer über die Ausstellung in Burgdorf.
In Gehrden widmet sich die Künstlerin Sina Heffner den „Biozönosen“. Das sind Gemeinschaften von Organismen verschiedener Arten, die wunderbar zusammenleben. Wir ahnen: Kompliziert wird es erst, wenn Homo Sapiens auftaucht. Das ist im heutigen Rundblick nicht anders. Unsere Themen sind:
Fragen Sie doch heute mal nicht, was Insekten für Sie tun, sondern was Sie für Insekten tun können.
Ihre Anne Beelte-Altwig


