13. Juli 2026 · 
MeldungWirtschaft

VW-Gesetz im Visier? Widerstand gegen Konzernumbau wächst

Volkswagen plant offenbar tiefgreifende Strukturreformen. IG Metall und Landespolitik warnen vor einem Angriff auf Mitbestimmung und Standorte.

Bei Volkswagen spitzt sich der Streit um die künftige Struktur des Konzerns zu. Die IG Metall reagiert alarmiert auf Berichte, wonach der Vorstand erwägt, die Kernmarke Volkswagen und Teile der Komponentenfertigung aus der Volkswagen AG herauszulösen. Die Gewerkschaft warnt: „Das wäre ein beispielloser Versuch, die besonderen Mitbestimmungsrechte und die Sperrminorität des Landes zu unterlaufen, die im VW-Gesetz verankert sind.“ Das VW-Gesetz sichert Niedersachsen erheblichen Einfluss auf strategische Beschlüsse. Da Werksschließungen eine Mehrheit von mehr als 80 Prozent erfordern, verfügt das Land mit seinen 20,2 Prozent der Stimmrechte über eine Sperrminorität. Gewerkschaft und Betriebsrat befürchten, dass dieser Einfluss durch eine neue Konzernstruktur geschwächt werden könnte. Zugleich wächst die Sorge um die Standorte: Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ über interne Unterlagen gelten unter anderem Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm als gefährdet.

Der Konflikt hat inzwischen auch den Aufsichtsrat erreicht. Der Zukunftsplan von Konzernchef Oliver Blume fand dort laut „Handelsblatt“ zunächst keine Mehrheit. In Hannover wächst der politische Widerstand gegen mögliche Werksschließungen. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zog eine klare Grenze: „Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie für Volkswagen.“ Die Mitbestimmung sei „kein Hindernis, sondern ein bewährter Erfolgsfaktor“. Auch die CDU-Landtagsfraktion stellt sich gegen einen reinen Sparkurs. Fraktionschef Sebastian Lechner warnte: „Eine reine Debatte über Einsparungen und Kapazitäten, die zu großer Verunsicherung führt, reicht dafür nicht aus.“ Unterdessen verschärft sich der Ton zwischen Vorstand und Belegschaft kurz vor Beginn der Werksferien. Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo droht nach der Sommerpause mit außerordentlichen Betriebsversammlungen. IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger kritisierte: „Die Kommunikation des Vorstandes ist ein Desaster.“ Ungeachtet des Widerstands aus Belegschaft und Landespolitik will der Vorstand den Umbau weiter vorantreiben. Die nächste Bewährungsprobe folgt im September, wenn der Aufsichtsrat erneut über den Zukunftsplan berät.

Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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