7. Apr. 2026 · 
MeldungEuropa

Von der Leyen sagt: Niedersachsen braucht unbedingt eine Exzellenz-Universität

Die Landesmedaille ist die höchste Auszeichnung in Niedersachsen. Am 7. April hat sie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen überreicht bekommen.

Ursula von der Leyen betritt das Gästehaus der Landesregierung. | Foto: Wallbaum

Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, ist am Dienstag im Gästehaus der Landesregierung in Hannover mit der „Landesmedaille“ ausgezeichnet worden. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) lobte die CDU-Politikerin für ihre „besondere Art“, Probleme deutlich und gleichzeitig verbindlich im Ton anzusprechen. „In einer Zeit, in der das lauteste und schärfste Wort, das deftigste Zitat Eindruck hinterlässt, haben Sie es immer darauf angelegt, Ihrem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen“, hob Lies hervor. Von der Leyen verkörpere in ihrem Stil eine niedersächsische Prägung, die Verbundenheit mit den Menschen ebenso ausdrücke wie die Pflege bestimmter Werte – zu denen auch ihr Vater Ernst Albrecht einst gestanden habe. „Wir hätten Sie auch ausgezeichnet, wenn Sie nicht EU-Kommissionspräsidentin wären“, fügte Lies hinzu.

Die EU-Politikerin nutzte die Gelegenheit für eine kurze Ansprache, in der sie ihre tiefe Verbundenheit mit diesem Bundesland ausdrückte. „Niedersachsen ist der Platz, an den ich immer zurückkomme“, hob sie hervor. Schule, Studium und ihre erste Tätigkeit als Ärztin an der MHH seien prägend gewesen. Sie erinnere sich noch gut an das Jahr 1999, als ihr Vater Ernst Albrecht die Landesmedaille – damals als früherer Ministerpräsident – erhalten hatte. Sie sei damals sehr stolz gewesen, wenige Tage später sei ihre jüngste Tochter geboren worden. Heute sei diese Tochter selbst anwesend, neben anderen Familienmitgliedern. Dieser Generationen-Moment mache die aktuelle Feier für sie selbst so besonders, fügte von der Leyen hinzu. Sie sprach auch über ihre politische Karriere in Niedersachsen, die recht spät im Jahr 2001 mit der Kandidatur für den Ortsrat in Ilten, den Stadtrat in Sehnde und die Regionsversammlung in Hannover startete. Erst ein Jahr zuvor, im Sommer 2000, war von der Leyen aufgefallen, als sie eine Rede zum 70. Geburtstag ihres Vaters hielt. 2003 wurde sie Sozialministerin im Kabinett von Christian Wulff, zwei Jahre später dann Bundesministerin.

Ministerpräsident Olaf Lies überreicht die Landesmedaille an die EU-Kommissionspräsidentin. | Foto: Wallbaum

Von der Leyen sprach über die Moore, die Schönheit des Wattenmeeres, die dichten Wälder im Harz und das „verwunschene Wendland“. Mit diesem Land sei es „wie mit einer langen, guten Ehe“: „Je besser man es kennt, desto tiefer geht die Liebe.“ Dieses „besondere Niedersachsen-Gefühl“ verknüpfe sie mit drei Symbolen: Zuerst die Stadthalle in Hannover mit dem weißen Saal, in dem vor knapp 80 Jahren zuerst der Landtag tagte. Die Unermüdlichkeit, mit der Abgeordnete aus vielen Regionen an einem gemeinsamen Niedersachsen arbeiteten, zunächst inmitten der Trümmer des Krieges, sei besonders beeindruckend. Die Schiffsglocke, die am Grab ihres Vaters hänge, sei auch Teil dieser Erzählung, denn sie erinnere an die Boat-People aus Vietnam, die auf Ernst Albrechts Betreiben in Niedersachsen eine Zuflucht fanden. Das nächste Symbol sei das Pferd als Wappentier, das – ob Hannoveraner oder Oldenburger – für Ruhe, Ausdauer und Standfestigkeit in unruhigen Zeiten stehe. Dies gelte gerade in diesen Tagen. Europa habe schon einmal eine Energiekrise gemeistert, und zwar durch Einigkeit und Entschlossenheit. Niedersachsen stehe auch für Aufbruch zu neuen Taten – dabei seien Werner von Siemens, Hannah Arendt und Per Mertesacker zu nennen. Von der Leyen nannte dieses Bundesland auch einen „starken Wissenschaftsstandort“ und fügte hinzu: „Dieser Standort braucht unbedingt eine Exzellenz-Universität.“ Das dritte Symbol für von der Leyen sind Sterne, und hier erinnerte sie an die in Hannover geborene Astronomin Caroline Herschel, die als eine Pionierin auf ihrem Gebiet gewirkt und Planeten entdeckt habe. „Ihr Vater zeigte ihr den Himmel, sie griff nach den Sternen“, meinte die EU-Kommissionspräsidentin und zog daraus einen Schluss: „So fordernd die Krisen sind, so sehr die Hoffnung strapaziert wird. Ich möchte mich immer von dem Streben leiten lassen, dass wir unseren Kindern und Enkelkindern etwas Besseres hinterlassen.“ Das sei für sie ein unabhängiges Europa, das Frieden, Freiheit und Wohlstand schütze – und in dem der Rechtsstaat und nicht die Willkür regiere. Von der Leyen endete mit der Bemerkung: „Ich danke Niedersachsen. Und lang lebe Europa!“

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #065.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum

Artikel teilen

Teilen via Facebook
Teilen via LinkedIn
Teilen via X
Teilen via E-Mail