Dirk Stenkamp, Vorstandsvorsitzender von TÜV Nord mit Sitz in Hannover, macht den Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) und Cybersecurity zum neuen Schwerpunkt des Prüfkonzerns. „Der Stromausfall zum Jahreswechsel in Berlin nach einer gezielten Attacke hat gezeigt, wie verwundbar wir sind. Solche Vorfälle unterstreichen, dass es dringend geboten ist, Sicherheitsmaßnahmen kontinuierlich zu überprüfen und Systeme unter Beachtung des Datenschutzes widerstandsfähiger zu machen”, sagte Stenkamp bei der Jahrespressekonferenz. Für den Konzernchef leitet sich daraus ein neues Kerngeschäft ab: Die Absicherung von Rechenzentren, Energieversorgern und Krankenhäusern wird zum neuen Wachstumstreiber. Dass neue Impulse nötig sind, zeigt die Bilanz des Geschäftsjahres 2025: Die Unternehmensgruppe steigerte zwar den Umsatz von 1,69 auf 1,80 Milliarden Euro (plus sechs Prozent). Die Umsatzrendite stagniert jedoch bei 5,3 Prozent, was dem Prüfdienstleister nur begrenzten Spielraum lässt. Vor allem das Inlandsgeschäft macht Sorgen: Finanzvorstand Jürgen Himmelsbach verwies auf eine angespannte Wirtschaftslage und steigende Kosten, die sich wegen staatlicher Gebührenvorgaben und des Drucks auf die Kunden kaum abfedern lassen. Die Konsequenz ist die Flucht nach vorn in hochspezialisierte, internationale Märkte. So festigt TÜV Nord seine Position durch die Übernahme der EPI-Gruppe in Singapur und wird damit zu einem weltweit führenden Zertifizierer für Rechenzentren. Auch der Bereich Defense rückt in den Fokus: Der Konzern prüft künftig Drohnen und bewertet die militärische Belastbarkeit von Brücken und Schienen.


