Andrea Wemheuer, Landesleiterin der Gewerkschaft Verdi, sieht einen beginnenden Kollaps der Kindertagesstätten in Niedersachsen. Dazu hat sie nach eigenen Worten dramatische, aber auch zukunftsweisende Beispiele zusammengetragen: In der Gemeinde Vechelde (Kreis Peine) hatten im vergangenen Jahr 25 Beschäftigte kommunaler Einrichtungen wegen „inakzeptabler Arbeitsbedingungen“ gekündigt. An einzelnen Tagen hätten in einem Kindergarten zwei Fachkräfte insgesamt 80 Kinder betreuen müssen. In der Region Hannover können laut Verdi immer mehr Kommunen nur noch im Ausnahmefall eine Ganztagsbetreuung garantieren. In der Regel ende der Kindergartentag dort um 14 Uhr. Als wegweisendes Beispiel nennt Wemheuer eine Kooperation der Stadt Lingen mit dem benachbarten Land Nordrhein-Westfalen, wo eine vergütete Erzieherausbildung vorgesehen ist. Verdi setzt sich für die Einführung einer bezahlten, praxisorientierten Ausbildung (PiA) auch in Niedersachsen ein. In Gifhorn sei es gelungen, in allen städtischen Kindertagesstätten eine dritte Kraft pro Gruppe einzuführen. Das seien positive Beispiele, in denen Kommunen selbst handelten, statt die Verantwortung von Bund und Land einzufordern. „Um ein weiteres Abwandern von Fachkräften zu verhindern, ist es notwendig, den Fachkraft-Kind-Schlüssel nachhaltig zu verbessern, statt eine weitere Absenkung der Standards zu forcieren“, erklärte Wemheuer.


