Die CDU hat sich zum Parteitag in Stuttgart getroffen und bei mir ist wieder nur die Überschrift hängengeblieben. Dass sie in der Titelzeile zuweilen besser zuspitzen können als die Bild-Zeitung, haben die Christdemokraten ja kürzlich erst mit dem Unwort-Anwärter „Lifestyle-Teilzeit“ bewiesen. Nun stand da schlicht „Verantwortung verpflichtet“ in CI-Majuskeln auf den Badges, am Rednerpult, über den Türen und einfach überall.

Wenn es um Parteitagsmottos geht, erinnere ich immer die letzte Rede, die Angela Merkel als CDU-Vorsitzende gehalten hat. 2018 in Hamburg verriet sie nämlich, es sei für sie stets eine der schwierigsten Angelegenheiten gewesen, ein solches festzulegen. Damals stand dort an der Wand hinter ihr in übergroßen Lettern übrigens: „Zusammenführen. Und zusammen führen.“ Ein hehrer Auftrag, den ihre beiden Wunsch-Nachfolger Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet nicht einlösen konnten.
Ihr erster Parteitagstitel, erzählte Merkel jedenfalls, sei für viele damals „gewöhnungsbedürftig“ gewesen. Direkt nach der Spendenaffäre hatte sie den CDU-Konvent mit nur zwei Wörtern überschrieben: Zur Sache. „Wo steht hier Deutschland? Nirgends. Wo steht hier Zukunft? Nirgends. Wo steht hier etwas von gestalten, von Werten, von Sicherheit? Nirgends. Nur: Zur Sache. Typisch Merkel. Sache – knochentrocken“, zitierte sie damals ihre Kritiker.
Friedrich Merz wollte ja alles anders machen als Merkel. Doch weil auch er lieber Außenkanzler ist und wider Erwarten mancher Christdemokraten keine absolute Mehrheit bei der Bundestagswahl erringen konnte, raunten im Vorfeld des Parteitags einige vom Unmut in den konservativen Kreisen. Statt diese mit einem Contra-Merkel-Titel á la „Deutschlands Zukunft gestalten – mit Werten und Sicherheit“ zufriedenzustellen, wählte Merz also „Verantwortung verpflichtet“ und ich frage mich einfach nur: Was soll dieser Pleonasmus denn bitte bedeuten?
Für ein sehr gutes Ergebnis hat es dennoch gereicht. Aber der CDU-Parteitag beschäftigt uns im heutigen Rundblick nur am Rande. Diese Themen haben wir für Sie:
Noch einmal zurück zum Parteisprech: Besonders schlimm finde ich ja die Plakate, auf denen Politiker das „Anpacken“ preisen. So übergriffig, finden Sie nicht? Naja, aber hier sei’s erlaubt: Neue Woche – packen wir’s an!
Ihr Niklas Kleinwächter


