2. März 2026 · 
TagesKolumne

Vamos a la Nordseestrand

Neue Chance für den Tourismus in Niedersachsen: Die Südländer kommen. Zeit für Sangria in Lüneburg und Italo-Western im Harz. Dolce Vita zwischen Nordsee und Nadelwald.

Das Tourismusland Niedersachsen ist zurück in der Erfolgsspur: Die Prä-Corona-Bestmarke aus dem Jahr 2019 wurde pulverisiert. 2025 verzeichneten Hotels, Campingplätze und Ferienhäuser einen Rekordwert von 46,9 Millionen Übernachtungen. Die Nordseeküste und der plattdeutsche Strand sind beliebter, als Klaus & Klaus es sich je hätten träumen lassen. Die Heide blüht, die Urlaubsregion Grafschaft Bentheim-Emsland-Osnabrücker Land – wer kennt sie nicht – brummt, und selbst der Harz röchelt sich tapfer wieder nach oben.

Nur bei den Auslandsübernachtungen, von besonders trendbewussten Destinationsmanagern gern „Incoming-Tourismus“ genannt, knirscht es noch ein wenig im Getriebe. Niederländer, Dänen und Polen, die uns sonst zuverlässig die Strandkörbe füllen, haben ein bisschen die Lust auf Niedersachsen verloren. Bei den internationalen Gästen liegen wir weiterhin unter dem Niveau von 2019. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Südländer kommen. Plus 16 Prozent Übernachtungen bei den Italienern, plus 19,5 Prozent bei den Spaniern. Zeit für ein radikales Umstyling: Wir brauchen mehr Dolce Vita in Niedersachsen!

Spanier lieben die Nacht. Also bekommt die Lüneburger Heide ab sofort flächendeckend Flutlicht, damit man auch nach 20 Uhr noch etwas sieht. Im Gegenzug führen wir die obligatorische Siesta von 13 bis 17 Uhr ein. In dieser Zeit herrscht absolutes Blök-Verbot, dafür brennt ab 22 Uhr in Lüneburg die Hütte: In der Altstadt hängen Lichterketten zwischen Backstein und Giebel, Gitarren klimpern unterm Wasserturm, und im Salzhafen mischt sich der Duft von gebratener Heidschnucke („Cordero de Baja Sajonia“) mit Sangria. Den Wilseder Berg taufen wir in "Zuckerhut des Nordens" um.

Niedersachsen hofft auf mehr spanische Touristen. Das verändert das Strandbild von Norderney. | Foto: GettyImages/NoLimitPictures, mit KI bearbeitet

Die Italiener wiederum, die inzwischen rekordverdächtige 6,0 Tage auf unseren Inseln ausharren, bekommen das Wattenmeer als „Mare di Melma“ verkauft – das größte Matsch-Spa Europas. Wer braucht schon Rimini, wenn er bis zu den Knöcheln im Welterbe-Schlamm versinken und gleichzeitig einen Espresso im Stehen schlürfen kann? Wenn jemand fragt, warum das Wasser plötzlich weg ist, antworten wir charmant: „Isch abe gar keine Nordsee, Signorina!“ Eine Statue von Adriano Celentano in Badehose am Strand von Norderney erledigt den Rest – die Flieger aus Rom sind am nächsten Morgen ausgebucht.

Warum nach Almeria in die Wüste fahren, wenn man im Harz echte Wild-West-Romantik haben kann? Wir vermarkten einfach die Harzer Schmalspurbahn als den Zug, den Clint Eastwood, Django und Nobody als Nächstes überfallen hätten. Die Devise: "Vier Fäuste für ein Harzleluja!" Beim Brockenwirt steht ab sofort die Pfanne Bohnen mit Speck ganz oben auf der Karte. Und wenn dann der Schaffner im Bud-Spencer-Look mit der flachen Hand die Fahrkarten kontrolliert und laut „Ich glaub, mein Tintenfisch kleckert!“ brüllt, fühlt sich der Gast aus Italien wie zu Hause. Zwischendurch stürmen als Banditen verkleidete Statisten aus dem Fichtenunterholz, um die Dampflok zu kapern, während der Bambino mit Platzpatronen aus dem offenen Waggon zurückschießt. Ecco: Der Harz ist für die nächsten zehn Jahre ausgebucht.

Doch während die einen schon von der großen Tourismus-Offensive träumen, arbeitet sich die Landespolitik in Hannover noch an ganz anderen Baustellen ab. Mit diesen Themen startet der Rundblick in die neue Woche:

  • Nach den Uni-Skandalen: Die rot-grüne Landesregierung will die Position von Hochschulpräsidenten stärken. Die Opposition fürchtet jedoch eine zu starke politische Einflussnahme durch den Fachminister.


  • Vor dem Parteitag: Wohin steuert die FDP? Alles läuft auf Gero Hocker als neuen Landesvorsitzenden hinaus. Eine Kampfkandidatur erscheint unwahrscheinlich.


  • In der Polizeigesetz-Debatte: Bei der Polizei soll künftig KI zur Anwendung kommen. Geht das überhaupt? Der Landes-Datenschutzbeauftragte Denis Lehmkemper hat gegen die geplanten Regeln weitgehende Einwände.

Arrivederci und adiós sagt
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #040.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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