
Die Halle ist gebucht, die Einladungen sind verschickt: Am 7. März wählt die niedersächsische Partei einen neuen Landesvorstand. Nach allem, was bisher absehbar ist, kommt es nicht zu einer Kampfkandidatur. Der Vize-Landesvorsitzende Gero Hocker (50), Mitarbeiter eines Unternehmens der Geflügelwirtschaft, peilt den Landesvorsitz an – und er dürfte dabei auf breite Unterstützung stoßen. Der bisherige Vorsitzende Konstantin Kuhle zieht sich aus der ersten Reihe zurück, um zunächst beruflich Fuß zu fassen. Kuhle arbeitet in einer Anwaltskanzlei in Berlin. Zwar hat der bisherige Vorsitzende immer abweisend reagiert, wenn man ihn als „linksliberal“ bezeichnete und dem „linken Flügel“ zuordnete. Gleichwohl ist unbestreitbar, dass Kuhle als Innenpolitiker in der Zeit der Ampel-Regierung in Berlin ein großes Gewicht hatte und zu den Stützen der Kooperation von SPD, Grünen und FDP zählte.
Hocker hingegen, der wahrscheinlich künftige Vorsitzende, wird eher als ein Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels wahrgenommen. Er kommt aus dem Kreis Verden, hatte immer ein ausgeprägtes Interesse für die Agrarpolitik und steht im Ruf, gute Kontakte zur CDU zu pflegen. Für den stärker großstädtisch geprägten Kuhle aus Göttingen galt das weniger. Vermutlich wäre es aber verfrüht, aus diesen Charakterunterschieden auf einen bevorstehenden Kurswechsel in der niedersächsischen FDP zu schließen. Die „Jungen Liberalen“ drängen seit Jahren auf eine stärkere linke Positionierung, sie haben aber in der Partei nicht wirklich großes Gewicht. Einflussreich bleiben bisher die acht Bezirksverbände. Die bisherige Generalsekretärin Imke Haake will ihr Tätigkeitsfeld stärker auf die Kommunalpolitik verlagern, sie tritt als Bürgermeisterkandidatin in Großenkneten an. Die Richterin Sarah Buss, die 2023 mit Hocker die Parteiführung anstrebte und gegen das Team Kuhle/Haake verlor, hat inzwischen die FDP verlassen. Sie bewirbt sich als Parteilose für das Amt der Bürgermeisterin in Aurich. Neuer Generalsekretär soll der hannoversche Kreisvorsitzende Cord Burchard werden. Um den früheren Landtagsabgeordneten Björn Försterling, der eher zum "linken" Flügel zählt und durchaus politischen Ehrgeiz hat, ist es in jüngster Zeit recht still geworden. Er war als Landratskandidat in Wolfenbüttel im Gespräch – allerdings haben SPD und CDU dort schon eigene Kandidaten nominiert, weshalb seine Erfolgschancen nicht überragend sein dürften.
Die Strategen der FDP verweisen auf die Besonderheit der niedersächsischen Landtagswahl, die im Spätsommer oder Herbst 2027 sein wird: Bei den größeren, für die FDP wichtigen Wahlen vorher (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und NRW) ist die FDP noch im Landtag und muss um ihren Verbleib dort kämpfen. In Niedersachsen indes ist die Partei außerparlamentarisch. Das kann man als Bürde begreifen, da die FDP-Positionen weniger Widerhall in der Öffentlichkeit finden. Auf der anderen Seite gibt diese Rolle auch die Freiheit, im Wahlkampf weit unerschrockener, mutiger und deutlicher aufzutreten - beispielsweise im Kernthema der FDP, der Wirtschaftspolitik. Viel wird davon abhängen, ob der vermutlich neue Landesvorsitzende Hocker die Kraft aufbringt, alle verschiedenen Flügel und Gruppen in der FDP auf die Geschlossenheit in diesem Wahlkampf einzuschwören.


