Trotz schlechter Bedingungen: Niedersachsens Sparkassen können ihr Ergebnis verbessern
Die Zinsen sind niedrig, die Geldanlage auf dem Sparbuch lohnt sich nicht. Trotzdem haben die Sparkassen in Niedersachsen im Jahr 2017 ihr Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahr steigern können, wie Sparkassenpräsident Thomas Mang am Dienstag in Hannover erläuterte. Das Kreditvolumen wuchs um 2,9 Prozent auf 78,6 Milliarden Euro, die Kundeneinlagen machen auch diesen Wert aus. Sie sind um 3,8 Prozent gestiegen. Mang sieht darin „einen großen Vertrauensbeweis unserer Kunden, gerade in dieser für die Banken nicht einfachen Zeit“.
Ende vergangenen Jahres gab es 43 Sparkassen in Niedersachsen, zuvor hatten sich die drei bis dahin selbständigen Banken Hildesheim, Goslar und Peine zu einer einzigen vereinigt. Mit Beginn dieses Jahres wirkt eine neue Fusion – Osterholz und Rotenburg/Wümme haben sich vereinigt. Eine weitere Sparkassen-Ehe wird es in diesem Jahr geben, erklärte Mang, schwieg aber zu Details. Derweil müssen immer mehr Geschäftsstellen der derzeit 42 Sparkassen schließen. Waren es Ende 2016 noch 971, so liegt die Zahl jetzt bei 900. Mang erklärte, dass jede Sparkasse diese Entscheidung in eigener Regie trifft, der Verband mische sich dort nicht ein. Für ihn gehöre allerdings das Aufrechthalten von Filialen im Prinzip „zur Seele der Sparkassen“. Zur Jahreswende zählten die niedersächsischen Sparkassen 20.983 Mitarbeiter, das waren rund 900 weniger als ein Jahr zuvor. Auf betriebsbedingte Kündigungen wolle man verzichten, es gehe also vor allem um Altersabgänge. Die Sparkassen achteten aber auch darauf, nicht völlig auf Neueinstellungen zu verzichten. Die jungen Leute, die man brauche, benötigten neue Qualifikationen und müssten beispielsweise auch fit sein für die Digitalisierung. Die Sparkassen würden aber „bedarfsorientiert“ ausbilden und „nicht auf Halde“.
Erstmals hätten die Privatkunden in Niedersachsen mehr Online-Konten als traditionelle Konten, betonte Mang. Verstärkt wollten die Sparkassen auch die Profile der Sparkassenkunden studieren und daraus möglichst gute Angebote für jeden einzelnen ableiten. Dafür würden hohe Anforderungen von Datenschutz und Sicherheit gelten. Allerdings seien die Sparkassen durch EU-Vorgaben gezwungen, Schnittstellen zu öffnen – auch für US-Internetfirmen wie Google oder Facebook. Diese würden im Gegenzug ihre Informationen nicht preisgeben. „Dies kann aus unserer Sicht nicht so bleiben“, betont Mang.
Bisher ist der Sparkassenverband Niedersachsen mit 26,4 Prozent nach dem Land Niedersachsen der größte Anteilseigner der Nord/LB. Zu der Frage, ob sich die Struktur der Nord/LB ändern und der Anteil seines Verbandes dann womöglich sinken wird, äußerte sich Mang nur sehr zurückhaltend. Das gilt auch für die Frage, ob man sich an einer möglichen Kapitalerhöhung beteiligen werde. Landesbanken seien weiter nötig, betonte Mang. Wie viele es sein müssen, stehe auf einem anderen Blatt. Die Beteiligung von privaten Investoren an Landesbanken, etwa auch der Nord/LB, werde vom Sparkassenverband „kritisch bewertet“. Man könne diese Fragen aber auch nicht apodiktisch beantworten – viel hänge vom konkreten Konzept ab. Die Verluste der Nord/LB von 2 Milliarden Euro aus dem Jahr 2016 seien beim Sparkassenverband vollständig verbucht. Diese Belastung sei also abgearbeitet.Dieser Artikel erschien in Ausgabe #45.