Mein Lieblings-Millennial-Kollege und ich suhlen uns seit geraumer Zeit so richtig gerne in unserer eingebildeten Midlifecrisis. Dass „Der Herr der Ringe“ vor 25 Jahren in die Kinos gekommen sein soll, halten wir für einen Rechenfehler. Die neue „Harry Potter“-Serie überlegen wir zu boykottieren, weil unser Potter Radcliffe heißt. Und bei Instagram schicken wir uns gegenseitig Memes zu, die erklären, dass mit Ablauf dieses Jahres kein einziger Millennial mehr in seinen 20ern sein wird. Rechenfehler Nummer zwei.
Suhlen hat aber auch etwas Wohliges, und deshalb lassen wir wenig aus. Rennrad und Siebträgermaschine nennt er schon sein Eigen und bequatscht mich seit Monaten, ich solle mir doch auch endlich einen Plattenspieler zulegen. Steht nun auf der Gönn-ich-mir-zu-Weihnachten-Wunschliste. Gut wird das!

Die Midlifecrisis speist sich gemeinhin aus dem Gefühl, nicht mehr ganz so viel Zeit und nicht mehr unbegrenzt viele Möglichkeiten zu haben. Zumindest weniger als vorgestern noch. Denn bestimmte Weichen sind inzwischen gestellt, Wege eingeschlagen, Parameter festgelegt. Was kommt da nun noch, fragen wir uns, wohl wissend, dass noch viele Jahre voller Arbeit dazugehören werden. Aber ansonsten: Wie sieht es mit Hobbys aus?
Seitdem ich im vergangenen Jahr einen ganz tollen Workshop für Führungskräfte im Wartestand besucht habe, beginnen wir unsere Wochenkonferenz nun immer mit einer Einstiegsfrage, der Check-in-Runde. Der reinen Lehre nach wird das Team auf diese Weise aktiviert, ein jeder soll kurz nachdenken und sich mitteilen, bevor wir an die Alltagsthemen gehen. Inzwischen hat sich eine gewisse Routine eingeschlichen. Doch an diesem Dienstagmorgen wurde ich tatsächlich überrascht. Mein Millennial-Kollege fragte nach Hobbys, die wir noch nicht haben, aber von denen wir glauben, dass sie uns ganz guttun könnten. Die Antworten waren mitunter verblüffend.
Bogenschießen will der eine, Balletttanzen zwei andere. Einer wollte gerne Reiten lernen, die andere Nähen. Einer träumt vom Segelfliegen und ein anderer will eigentlich zwar nicht zum Angeln gehen, hat aber melancholische Erinnerung an die Ruhe, die sein Vater aufgebracht haben muss, als dieser wiederum damals stundenlang regungslos am Teich stand. Da Sie eine grobe Vorstellung davon haben dürften, wer an diesem Dienstagmorgen an unserem Konferenztisch saß, wünsche ich nun frohes Raten, welchem Politiknerd Sie welches Sehnsuchtshobby zuordnen würden.
Während Sie grübeln, was wir wohl machen würden, wenn wir frei hätten, oder nachsinnen, welche Midlifecrisis-Eskapade Sie sich gerne gönnen würden, habe ich an dieser Stelle schon wieder den ganz normalen Erwachsenen-Wahnsinn aus der niedersächsischen Landespolitik:
Leben Sie Ihre Träume!
Ihr Niklas Kleinwächter


