29. Okt. 2019
Finanzen

Falsch geplante Brücken und funktionslose Fahrstühle

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler (BdSt) in Niedersachsen, Bernhard Zentgraf, hat die Beamten in der Kommunal- und Landesverwaltung aufgefordert, künftig „mehr Rückgrat zu zeigen“, wenn es um eine sich anbahnende öffentliche Verschwendung geht. Bei der jüngsten Vorstellung des „Schwarzbuchs“ des BdSt sagte Zentgraf in Hannover, die Beamten sollten „stärker aufbegehren“, wenn sie Hinweise auf unvernünftige und folgekostenträchtige neue Projekte hätten. Schließlich seien sie durch ihre Unkündbarkeit geschützt. https://open.spotify.com/episode/6085uFttC8oa6sddgfo2fC?t=0 Insgesamt vermisse er in der staatlichen Verwaltung eine Kultur, offensichtlichen Fehlern nachzugehen und Disziplinarverfahren in Gang zu setzen. „Offenbar wollen viele Behördenleiter diesen Weg nicht gehen, weil sie dann bangen müssten, selbst öffentlich angeprangert zu werden.“ Im jüngsten „Schwarzbuch“ listet der BdSt mehrere niedersächsische Fälle von Steuergeldverschwendung auf, die größtenteils schon bekannt sind.

Fälle von Steuergeldverschwendung vielfach schon bekannt

In Emden sei eine Brücke zu flach geplant worden und habe für 10.000 Euro angehoben werden müssen. Am hannoverschen Maschsee habe eine Skulptur einen neuen Anstrich bekommen sollen, die Stadt ließ ein Gerüst errichten. Da der Nachlassverwalter nicht um Zustimmung gebeten worden sei, musste das Gerüst wieder entfernt werden – eine Gerüst-Miete von 14.000 Euro sei angefallen, ein neuer Anstrich unterblieben. In Osnabrück habe sich die Stadt einen kurzen Luxus-Radweg für 2600 Euro pro Meter geleistet, die Stadt Wolfsburg habe einen Fahrstuhl ins Schloss Fallersleben gebaut, der aus Denkmalschutzgründen nicht genutzt werden dürfe. In der Region Hannover seien Wertstofftonnen im Vorgriff auf eine Gesetzesänderung angeschafft worden, die dann nicht kam – zwölf Millionen Euro seien fehlinvestiert worden. Das Paläon für die „Schöninger Speere“ wird angeprangert, weil Politiker und Behördenvertreter schon vor dem Bau des Museums die BdSt-Warnungen zurückgewiesen hätten. Nun sei klar, dass hier kein wirtschaftlicher Betrieb möglich sei und das Land dauerhaft subventionieren müsse. Im Landkreis Lüneburg hätten sich die Baukosten für die neue Arena (3500 Besucher) binnen drei Jahren von 10,2 auf 25 Millionen Euro erhöht. Trotzdem halte der Landkreis an dem Projket fest. Im Nordharz wurden Bundesstraßen-Abschnitte zu Autobahnen umgewidmet, auch eine Strecke von 35 Kilometern zwischen Vienenburg und Bad Harzburg. Allein die neue Beschilderung dafür verschlinge Kosten von 2,7 Millionen Euro. Der BdSt beklagt, dass das System der Fördergelder die Verschwendung begünstige. Kommunen würden Projekte nur deshalb starten, weil ihnen kräftige Zuschüsse versprochen werden – die Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit gerate dabei aus dem Blickfeld.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #191.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter