23. Jan. 2020
Soziales

Die SPD will über Landarztquote die ärztliche Versorgung verbessern

Die SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Johanne Modder, wünscht sich spätestens zum Wintersemester 2021/2022 den Start einer „Landarztquote“ im Medizinstudium. Ein Anteil der Medizinstudenten, beispielsweise zehn Prozent, soll sich vertraglich verpflichten, nach Abschluss ihres Studiums eine Stelle als Hausarzt in schlecht versorgten Gebieten (etwa in ländlichen Gegenden) anzutreten. Man könne das auf zehn Jahre befristen – und begleiten etwa mit einem Zuschuss für das Studium oder auch mit der Ansage, diese Plätze auch für Schulabgänger anzubieten, die nicht die geforderten guten Abiturnoten bieten können. „Die Details können vertraglich mit dem Studenten vereinbart werden“, sagt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Wiard Siebels. Da es sich um ein Angebot handele und keine Zwangsquote, seien auch rechtliche Konflikte, etwa mit der Berufsfreiheit und dem Gleichbehandlungsgrundsatz, zu lösen. Wenn ein Zuschuss gezahlt werde, müsse es auch möglich sein, den Studienabbrechern eine Rückzahlung aufzuerlegen. Modder meinte, das bisher dieser Idee ablehnend gegenüberstehende Wissenschaftsministerium bewege sich jetzt. „Da der Koalitionspartner seine Vorbehalte aufgibt, sehe ich nun eine Chance dazu. Die Zeit drängt, denn in vielen Gegenden nimmt der Ärztemangel drastisch zu.“
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Die Landarztquote ist für die SPD nur ein erster von insgesamt fünf Schritten. Außerdem soll das Angebot an medizinischen Studienplätzen um 200 ausgeweitet werden, ein Anfang sei bei der European Medical School in Oldenburg schon geschehen. Dann soll der Kontakt zwischen Medizinstudenten und Hausärzten in ihren Praxen intensiviert werden. Es sollten kommunale Gesundheitszentren eingerichtet werden, in denen die Ärzte nicht als Selbstständige arbeiten, sondern angestellt sind und sich auch von Kollegen vertreten lassen können. Da viele angehende Mediziner Frauen seien und diese eine hohe zeitliche Arbeitsbelastung in Grenzen halten wollten, sei dies ein richtiger Weg. Außerdem böten solche Gesundheitszentren die Chance, die Ärzte von Buchhaltung und anderen bürokratischen Aufgaben zu befreien. Hier müsse mit den Kommunen und der Kassenärztlichen Vereinigung über Details gesprochen werden. Schließlich seien Modelle wichtig, angehenden Hausärzten eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #015.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter