1. Juni 2026 · 
TagesKolumne

Rückbau im Kinderzimmer

Gelb, elektrisch und schmaler als eine Haustür: Warum auch Sie einen Komatsu-Minibagger im Wohnzimmer benötigen, erklären wir in der Glosse zum Montag.

Zwischen Männern und Baustellenfahrzeugen herrscht eine lebenslange Romantik. Und wer im Sandkasten mangels elterlicher Weitsicht ohne den ganz großen Plastikbagger aufwachsen musste, trägt oft eine unerfüllte Leere in sich. Komatsu bringt dafür nun die späte Erfüllung nach Europa – getarnt als Innovation für das Baugewerbe.

Der japanische Hersteller testet hierzulande die elektrischen Mikrobagger PC01E-2 und PC05E-1. Die Geräte sind emissionsfrei, flüsterleise und werden mit Honda-Wechselakkus betrieben, wie das Unternehmen mitteilt. Das eigentliche Highlight verbirgt sich aber in den Abmessungen: Mit einer Breite von 58 beziehungsweise 69 Zentimetern passen die Maschinen laut Herstellerangaben problemlos „in einen handelsüblichen Lastenaufzug“ – und damit auch durch jede Wohnungstür. Ob die Kettenraupe hingegen ausreicht, um eine typische deutsche Gebäudetreppe zu überwinden, muss noch getestet werden. Möglicherweise von Ihnen.

Hat mich persönlich sofort vom Kauf überzeugt: Das offizielle Pressefoto von Komatsu zum neuen Minibagger. | Foto: Komatsu

Für den technikbegeisterten Hausmann eröffnet das auf jeden Fall völlig neue Perspektiven: Warum den widerspenstigen Ficus im Wohnzimmer von Hand umtopfen, wenn in der Garage die 2,1 Kilowatt starke Honda-Power wartet? Auch das morgendliche Suchen der Hausschlüssel unter den Sofakissen lässt sich mit der 0,006 Kubikmeter großen Löffelschaufel deutlich dynamischer gestalten. Sollte die Ehefrau mit dem Standort der Designer-Kommode unzufrieden sein, wird das Umplatzieren umgehend zur Chefsache erklärt – wo keine tragende Wand mehr im Weg steht, gibt es schließlich ganz neue, Feng-Shui-konforme Möglichkeiten. Und falls der Nachwuchs abends nicht schlafen will, liefert das Kettenfahrzeug zudem die ultimative Drohkulisse: Wer nicht pariert, dessen Spielecke wird kurzerhand für den Rückbau freigegeben.

Noch läuft in Europa nur die Testphase, eine Markteinführung steht aus und eine Produktion im Komatsu-Werk Hannover ist bislang kein Thema. Doch die Argumente für den Heimgebrauch liegen auf der Hand. Sollte das Gerät den Sprung in den Handel schaffen, dürfte so mancher Geburtstagswunsch erstaunlich schwer und gelb ausfallen. Ein perfektes Geschenk für alle, die im Herzen immer noch im Sandkasten sitzen – nur dass der Sandkasten heute das eigene Wohnzimmer ist.

Das Warten auf den neuen Minibagger verkürzen Sie übrigens am effektivsten mit der Lektüre des heutigen Rundblicks. Das sind unsere Themen:

  • Politisches Glattschaufeln: Ist es ein kluges Vorgehen, fehlerhafte Pressemitteilungen auf offiziellen Internet-Seiten der Regierung einfach zu ändern? Das Thema hat den Landtag beschäftigt.


  • Glauben als tragende Wand: Welche Grundlagen hat das Staatswesen? Der Leiter des Katholischen Büros in Niedersachsen meint, die Religion spiele hier eine wichtige Rolle. Er führt das in einem Aufsatz aus.


  • Dem Lebensende ein Fundament geben: Das Sterben gehört zum Alltag im Pflegeheim. Aber Gespräche über das Lebensende sind selten. Das Wilhelm-Buchholz-Stift in Celle zeigt, wie es anders geht.

Eine erfolgreiche Woche ohne größere Trümmerfelder wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #099.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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