
Der Landesverband Haus & Grund Niedersachsen geht auf Konfrontationskurs mit der Politik: Angesichts drastisch eingebrochener Bauzahlen fordert die Interessenvertretung der privaten Immobilien-Eigentümer ein radikales Umdenken in der Wohnungspolitik. Trotz Baukrise sehen sich die Kleinvermieter, die den Löwenanteil des Wohnraums in Deutschland zur Verfügung stellen, weiter steigenden Belastungen ausgesetzt. „Es wird immer schwieriger, mit der Vermietung einer Wohnung noch kostendeckend arbeiten zu können", kritisierte die Landesvorsitzende Sabine Jung vor dem Verbandstag in Hannover und forderte: "Es ist endlich Zeit, die privaten Vermieter zu stärken." Scharfe Kritik übte Jung an der Verlängerung der niedersächsischen Mietpreisbremse bis Ende 2029 sowie am Mietrechtspaket II und dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz auf Bundesebene. Die Abkehr von fossilen Heizungen sei zwar richtig. Dass Vermieter künftig pauschal die Hälfte der CO2-Kosten und Gasnetzentgelte tragen sollen, stößt bei Jung jedoch auf Unverständnis: „Das sind verbrauchsabhängige Kosten, auf die haben wir als Vermieter keinen Einfluss." Jung warnte, dass durch die Mietpreisbremse nicht nur Investitionen und Sanierung unterlassen werden. „Wenn wir immer mehr beschränkt werden, dann hat auch keiner Lust mehr, Wohnraum zu bauen.“ Stattdessen spricht sie sich für eine spürbare Senkung der Baustandards und Baunebenkosten sowie für die verlässliche Auszahlung des staatlichen Klimageldes aus. Ein steuerliches Entlastungspaket – unter anderem mit einer Grunderwerbsteuer-Befreiung für Ersterwerber und Freibeträgen auf Mieteinnahmen – soll zudem den privaten Wohnungsbau und die Schaffung von Wohneigentum gezielt ankurbeln.
Wie groß die Unzufriedenheit der Eigentümer und Vermieter mit der Bundesregierung ist, machte Oliver Kiaman von Haus & Grund Hannover deutlich. „Alles, was gegen sie läuft, ist seitens der SPD ganz konkret verabredet worden. Alles, was für sie läuft, ist seitens der CDU vage mit Jahreszahlen über diese Legislaturperiode hinaus unterlegt worden", bemängelte Kiaman. Abgesehen von der Novelle der Niedersächsischen Bauordnung laufe keine Entwicklung im Sinne der Immobilien-Besitzer. Ins gleiche Horn stieß der Aufsichtsratsvorsitzende des Landesverbandes, Timm Voss. Die Politik opfere die Interessen der Eigentümer auf dem Altar des Koalitionsfriedens. Die Belastungsgrenze sei erreicht: „Das fing an mit der Mietpreisbremse, das ging über das Habeck'sche Heizgesetz und jetzt reden wir über das Gebäudemodernisierungsgesetz, wo immer nur, so jedenfalls unser Eindruck, gegen uns gearbeitet wird.“


