15. Apr. 2026 · 
TagesKolumne

Rettet Öömrang!

Man muss nicht warten, bis vor der eigenen Hasutür irgendeine Bombe platzt, bevor man handelt. Das gilt nicht nur für regionale Sprachen und Spirituosen, meint die TagesKolumne.

Puh. Wir sind wieder Teil der Achse des Guten. Nach Deepfake-Skandal und Korruption in der Staatsanwaltschaft macht man sich ja schon ein bisschen Sorgen um den moralischen Kompass im schönsten Bundesland der Welt. Da kommt diese Nachricht aus der Staatskanzlei genau im richtigen Moment: Niedersachsen schließt sich einer Bundesratsinitiative von Schleswig-Holstein zum Schutz von Regional- und Minderheitensprachen an. Passiert ist folgendes:

Ein schlitzohriger Winzer aus den USA hat sich die Markenrechte an dem Wort „Öömrang“ gesichert. „Öömrang“ ist ein Adjektiv und bedeutet so viel wie „amrumerisch“. Auch der Dialekt des Nordfriesischen, der auf Amrum gesprochen wird, wird von den Einheimischen „Öömrang“ genannt. Den Weinstöcken, die in den USA wachsen, hat natürlich nie nordfriesischer Wind um die Reben geweht. Aber wegen dieser Posse darf ein Gin-Hersteller von Amrum sein Produkt nicht „Öömrang“ nennen. Passieren konnte das wegen einer Schutzlücke im Markenrecht: „Das deutsche und auch das europäische Markenrecht schützen zwar geografische Angaben vor der Vereinnahmung – aber nur auf Hochdeutsch. Dialektwörter und Ortsnamen aus Minderheitensprachen können hingegen als kommerzielle Marke angemeldet werden“, heißt es auf der Website des schleswig-holsteinischen Landtages.

Erwachsene und Kinder mit Plakaten stehen auf einem öffentlichen Platz.
Plattdeutsch ist in Niedersachsen Alltag und kein Marketing-Gag. Zum Beispiel hier in Lingen. | Foto: MK

Seit 2017 versucht der schleswig-holsteinische Minderheitenbeauftragte, bei verschiedenen Patentämtern, EU- und OSZE-Institutionen Gehör zu finden – offenbar ohne Erfolg. Deswegen gibt es jetzt die Bundesratsinitiative. Aus dem Plattdeutschen oder Saterfriesischen, den Regionalsprachen in Niedersachsen, ist bisher kein vergleichbarer Fall bekannt. Überraschenderweise, muss man sagen, wartet jemand mal nicht ab, bis irgendeine Bombe vor der eigenen Haustür platzt, sondern lernt aus den Erfahrungen von anderen und wird präventiv tätig. „Alltägliche Begriffe“, sagt Europaministerin Melanie Walter, „müssen auch weiterhin frei nutzbar bleiben und dürfen nicht durch wirtschaftliche Interessen eingeschränkt werden.“ Darauf eine lokale Spirituose, würde ich sagen. Und jedes Mal, wenn heute jemand bei der Prävention sparen will, rufe ich „Öömrang!“

Wir haben heute folgende Themen für Sie:

  • Rechtsausschuss: Ist die Justizministerin bei der Dienstreise-Planung zu weit gegangen? Aus internen Unterlagen geht hervor, dass sie auf einer Business-Class bestanden hatte.


  • Teil-Rückholung? Eigentlich sollte der Atommüll 2033 aus dem Asse-Bergwerk geborgen werden. Doch daraus wird jetzt nichts. Betroffene fordern, andere Optionen zu prüfen.


  • Chemie-Dialog: Gewerkschaften, Unternehmen und Landesregierung sorgen sich um die Zukunftsaussichten der chemischen Industrie in Niedersachsen


  • außerdem: Zoff bei der Wolfsburger SPD, Schonzeit für den Wolf und deutliche Worte zum Behindertengleichstellungsgesetz

Ich wünsche Ihnen einen heimatverbundenen Donnerstag!

Ihre Anne Beelte-Altwig

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #071.
Anne Beelte-Altwig
AutorinAnne Beelte-Altwig

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Rettet Öömrang!