Zugausfälle, verkürzte Züge und fehlende Kapazitäten: Bei der S-Bahn Hannover fehlen seit Monaten Fahrzeuge. Viele Züge fahren deshalb mit weniger Wagen. Einige Bahnen waren zeitweise so überfüllt, dass Fahrgäste nicht mehr einsteigen konnten. Nach einem Oberleitungsschaden fielen zuletzt zehn weitere Wagen aus. Neun davon sollten bereits am Freitag wieder eingesetzt werden. Der grundsätzliche Fahrzeugmangel bleibt jedoch bestehen. „Der aktuelle Zustand ist sehr kritisch. Das vertraglich vereinbarte Angebot wird weder in der vorgesehenen Qualität noch mit den bestellten Kapazitäten erbracht“, lautet die Bewertung der Region Hannover.
Transdev räumt die gravierenden Probleme mit seinem Fuhrpark ein. Geschäftsführer Rolf Schafferath hatte kürzlich in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ von einem erheblichen Reparaturstau gesprochen. Grund dafür sei ein Bündel von Problemen, erklärt ein Unternehmenssprecher auf Rundblick-Anfrage: „Dazu zählen technische Fahrzeugstörungen, Verzögerungen bei der Ersatzteilbeschaffung, Schadbilder infolge von Einflüssen aus der Schieneninfrastruktur sowie Herausforderungen bei den Instandhaltungskapazitäten.“ Auch die 2025 eröffnete Werkstatt in Celle konnte den Rückstand bislang nicht abbauen und soll nun auf Dreischichtbetrieb umgestellt werden. Fahrzeuge werden derweil bis nach Minden, Herne oder Augsburg zur Reparatur geschickt. „Einen konkreten Zeitpunkt für einen normalen Betriebsablauf können wir derzeit nicht seriös nennen“, räumt Transdev ein.
Bei den Aufgabenträgern reißt der Geduldsfaden. Erst 2025 wurde der Verkehrsvertrag nachgebessert. Neue Regeln sollten selbst verursachte Ausfälle und Verspätungen verhindern sowie die Fahrgastinformation und den Ersatzverkehr verbessern. Diese Ziele würden „nicht in vollem Umfang und in der geforderten Qualität erreicht“. Das hat finanzielle Folgen, erklärt Regionssprecher Philipp Westphal: „Die derzeitig geminderte Leistung führt zu einer Verringerung des Zuschusses und gegebenenfalls zu Vertragsstrafen.“ Weitere Schritte würden genau geprüft. „Unsere vertraglichen Möglichkeiten bei Nicht-Erfüllung von Leistungen werden konsequent genutzt“, betont Westphal.
Der Oberleitungsschaden hat die Fahrzeugnot zwar verschärft, entbindet Transdev nach Ansicht der Auftraggeber aber nicht von seiner Verantwortung für die Reparaturen. Die Transdev Hannover GmbH (TDH) sei für die Instandhaltung zuständig. Auch wenn sie sich bei einzelnen Arbeiten Subunternehmern bediene, seien Schäden an den Fahrzeugen „von der TDH zu beheben“. Weil Transdev nicht genügend eigene Fahrzeuge einsetzen kann, haben Region und Landesnahverkehrsgesellschaft ihren Anspruch auf Ersatzfahrzeuge geltend gemacht. Dadurch seien weitere Angebotskürzungen vermieden worden. Weitere Ersatzfahrzeuge seien in Vorbereitung. An den rechtlichen Möglichkeiten fehle es nicht. Die Vertragsänderungen reichten aus, „um abseits von Infrastrukturstörungen einen verlässlichen und qualitativ hochwertigen S-Bahnbetrieb zu erbringen“.
Unterdessen wird die Zukunft von Transdev zum Thema im Wahlkampf um die Regionspräsidentschaft. Die SPD-Kandidatin Eva Bender fordert, sämtliche rechtlichen Möglichkeiten erneut zu prüfen. Selbst „eine Teilkündigung einzelner Linien oder eine Kündigung des Verkehrsvertrages“ dürfe nicht länger ausgeschlossen werden. Der CDU-Kandidat Oliver Junk widerspricht. Eine Kündigung stehe aus seiner Sicht „schon deshalb nicht mehr im Raum“, weil der Vertrag mit Transdev bereits 2034 auslaufe. Stattdessen müsse die Region rechtzeitig die Anschlusslösung vorbereiten. Dabei nennt Junk zwei Möglichkeiten: eine Übernahme des S-Bahn-Betriebs durch die Üstra oder eine neue Ausschreibung. Die Debatte über die Zeit nach Transdev beginnt damit bereits acht Jahre vor dem Ende des Verkehrsvertrags.


