So hat Friedrich Merz sich das bestimmt nicht vorgestellt. Da gelingt ihm endlich der Durchbruch im Dauerstreit mit dem störrischen Koalitionspartner. Bärbel Bas nickt zustimmend, sogar Markus Söder zieht mit. Seine CDU feiert ihren Chef in den sozialen Medien schon völlig unironisch mit einem Sonnenbrillenfoto als „Reformkanzler“. Und dann hängen sich alle an den geplanten Änderungen zur Krankmeldung auf.
Nicht nur die Hausärzte finden die Idee doof, dass all die kranken Arbeitnehmer künftig schon am ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung brauchen sollen – und dass sie die bitteschön auch noch mit akuten Symptomen in der Praxis persönlich abholen müssen. Auch der Otto-Normal-Bürger hat sofort analysiert, dass die Krankheitstage der Deutschen dadurch unter Garantie nicht weniger werden, weil sich nun künftig alle gleich drei oder vier Tage krankschreiben lassen, statt sich mal einen einzelnen Tag zu Hause auszukurieren. Die Meme-Maschinerie hat einen neuen Klassiker kreiert: Na dann lasse ich mich eben gleich bis Ende Merz (!) krankschreiben.
Schaut man auf die Details, muss sich für den einzelnen Betrieb am Ende gar nichts ändern. Doch um die Details geht’s doch längst gar nicht mehr, sondern um die Stimmung. Von Reformeuphorie ist da wenig zu spüren. Eher von Misstrauen auf allen Seiten. Medien melden nun, lediglich 13 Prozent der Bundesbürger seien mit der Arbeit des Bundeskanzlers zufrieden. Das beruht offensichtlich auf Gegenseitigkeit. Denn auch Friedrich Merz scheint ja nur mit der Arbeit von 13 Prozent der Bundesbürger zufrieden zu sein.
Veränderungswille zeigt sich auch nicht in der Rundblick-Leserschaft. Vielleicht läuft es für Sie ja auch einfach gerade ganz gut. Ich wünsche es Ihnen. Neulich haben wir gefragt, was Sie sich für die zweite Jahreshälfte vorgenommen haben. Fast die Hälfte der Teilnehmer hat sich vorgenommen, weder mehr noch weniger zu tun, sondern das Leistungsniveau beizubehalten. Ob der Kanzler damit zufrieden wäre?

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Starten Sie gut in die neue Woche
Ihr Niklas Kleinwächter


