19. Jan. 2026 · 
MeldungWirtschaft

Niedersachsen und sein Image: "Wir wollen nicht das Bielefeld der Bundesländer sein"

Urlaubsland ja, Wirtschaftsstandort kaum: Eine Allensbach-Umfrage offenbart das Imageproblem Niedersachsens – und erhöht den Druck auf die kommende Imagekampagne.

Niedersachsen kann Urlaub. Weite Landschaften, viel Natur und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten – all das kommt bundesweit gut an. Wer an Niedersachsen denkt, denkt an die Lüneburger Heide, Landwirtschaft und Nordsee. Als Wirtschaftsstandort hingegen bleibt das Land für viele blass und hat jenseits von Volkswagen, Windkraft und ein wenig Messe kaum Profil. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Allensbach-Instituts zum Image des Landes.

Volker Schmidt wirbt für eine Imageoffensive nach dem Vorbild der Kampagne von 2007 von der Agentur „Jung von Matt“. | Foto: Link

Ein Grund dafür dürfte die geringe Bekanntheit sein. Nur neun Prozent der Befragten außerhalb Niedersachsens geben an, ein klares Bild vom Land zu haben. Jeder Zweite verfügt nach eigener Einschätzung lediglich über eine ungefähre Vorstellung. Jeder Vierte kann mit Niedersachsen kaum oder gar nichts verbinden. Besonders deutlich fällt das Defizit bei den unter Dreißigjährigen aus: 42 Prozent haben allenfalls eine vage Vorstellung vom zweitgrößten Bundesland. „Für einen Industriestandort, der mit anderen Bundesländern im Wettbewerb um Fachkräfte und Investitionspotenziale steht, muss das ein Weckruf sein“, sagt Niedersachsen-Metall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt, dessen Verband die Studie in Auftrag gegeben hat. „Wer nicht wahrgenommen wird, findet auch nicht statt.“

Abgesehen von Natur, Landwirtschaft und Autos bleibt Niedersachsen für viele ein weitgehend unbekanntes Gebilde. Zwar wissen 71 Prozent der Befragten, dass im Land viel Windkraft produziert wird, und zwei von drei attestieren Niedersachsen sehenswerte Städte. Doch nur rund 40 Prozent halten das Land für einen guten Unternehmensstandort oder für eine Wirtschaftsregion mit Zukunft. Ein gutes Bildungssystem und sichere Arbeitsplätze verbindet jeweils nur etwa jeder Vierte mit Niedersachsen. Für Schmidt ist das auch eine Folge der starken Fixierung auf Volkswagen. „VW ist ein wichtiger Imageträger für das Land – im Guten wie im Negativen. Problematisch wird es aber, wenn die Wirtschaft eines Bundeslandes auf ein einziges Unternehmen reduziert wird“, sagt er.

Abhilfe verspricht sich der Arbeitgebervertreter von der neuen Standortkampagne, die Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) in Auftrag gegeben hat. „Unsere Umfrage zeigt sehr deutlich, wo Niedersachsen steht – und wo es sichtbarer, selbstbewusster und lauter werden muss“, so Schmidt. Die bisherige Imagekampagne „Niedersachsen.Klar“ habe dem Land dabei wenig geholfen. „So klar war da eigentlich nichts. Das hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben.“ Niedersachsen brauche dringend eine professionelle Standortkommunikation. „Mit Abwarten und selbstzufriedener Gemütlichkeit kommen wir nicht weit. Dann sind wir das Bielefeld der Bundesländer“, warnt Schmidt. Den Mitteleinsatz der Landesregierung hält er für angemessen: „Wenn Sie eine gute Agentur wollen, sind zehn Millionen Euro nicht zu viel. Kreativität kostet Geld.“

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #011.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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