Es gibt Kommunalpolitiker, die unerklärlicherweise in Vergessenheit geraten sind. Einer davon ist Mayor McCheese. Beim Ausmisten meines alten Kinderzimmers entdeckte ich kürzlich eine alte Spielfigur des Stadtoberhaupts von McDonaldland, die irgendwann in den 1990er-Jahren einem Happy Meal beigelegen haben muss.
Mayor McCheese trägt Zylinder, Schärpe und Zwicker. Anstelle eines Kopfes sitzt auf seinen Schultern ein Cheeseburger. Seine politische Agenda ist weitgehend unklar. Als Vertreter der käsebürgerlichen Mitte dürfte er deutlich rechts vom grünen McVeggie stehen, aber noch links vom rechtskonservativen Hamburger Royal TS.
In Niedersachsen kennt heute kaum noch jemand Mayor McCheese. Dabei regierte der Burgermeister jahrzehntelang nahezu unangefochten, während Belit Onay in sechs Jahren an der Spitze Hannovers acht Gegenkandidaten hervorbrachte. Nicht einmal die kriminellen Machenschaften des „Hamburglar“ lösten ernsthafte Zweifel an der Effektivität seiner Sicherheitsagenda aus. Das lag vielleicht auch an seiner gut ausgewählten Dezernentenriege: „Officer Big Mac“ sorgte für Ordnung, Ronald McDonald verantwortete das Stadtmarketing, „Birdie the Early Bird“ kümmerte sich um die Frühförderung – und auch das lila Monster „Grimace“ machte als Stadtkämmerer überraschend gute Arbeit.
Umso erstaunlicher ist, dass McCheese heute beim „Burger Dialog“ in Hannover fehlt, zu dem McDonald’s an diesem Mittwoch die hannoverschen Oberbürgermeisterkandidaten Belit Onay, Peter Karst und Axel von der Ohe eingeladen hat. In der Filiale an der Georgstraße sollen sie mit jungen Menschen über Ausbildung, Wohnraum, Sicherheit und Hannovers Zukunft sprechen.
Der Termin setzt den kulinarischen Kommunalwahlkampf konsequent fort (wir berichteten): Karst und Onay haben bereits jeweils 100 Döner ausgegeben. Von der Ohe warb bislang nur für besseres Schulessen und drohte ernährungspolitisch den Anschluss zu verlieren. Nun treffen sich alle drei dort, wo in Hannover offenbar politische Mehrheiten entstehen: in der Systemgastronomie. Auf dem Podium sitzen außerdem die Hauptgeschäftsführerin der IHK und ein McDonald’s-Franchisenehmer. Junge Menschen dürfen Fragen stellen. Das klingt ein bisschen wie die Beteiligung am Bestellterminal: Die Auswahl ist vorgegeben, nur drücken darf man selbst.

Mayor McCheese hätte die Runde dennoch bereichert. Vielleicht wollte er sogar bei der niedersächsischen Kommunalwahl antreten, wurde aber vom zuständigen Wahlausschuss nicht zugelassen. In Niedersachsen schaut man bei der Verfassungstreue von Kommunalwahlkandidaten schließlich inzwischen genauer hin. Und ob McCheese der freiheitlich-demokratischen Grundordnung oder doch eher den goldenen Bögen verpflichtet ist, lässt sich nicht zweifelsfrei klären.
Nach so viel kommunalpolitischem Fast Food wird es nun Zeit für die gehaltvolleren Themen des Tages. In der heutigen Ausgabe servieren wir:
Kommen Sie gut in den Mittwoch und bleiben Sie nicht nur beim Essen wählerisch.
Ihr Christian Wilhelm Link


