Ob die 50 niedersächsischen Impfzentren über Ende September hinaus angeboten werden, scheint noch nicht klar zu sein. Der Landkreistag hatte dazu Bereitschaft gezeigt, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) war dafür – aber die Entscheidung liegt beim Bund, der diese Zentren finanziert. Bisher ist dort wenig Bewegung spürbar, aber „der Ministerpräsident hat seine Hoffnung noch nicht aufgegeben“, betonte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Mittwoch. Eigentlich war der Plan, die Impftätigkeit vollständig den Haus- und Betriebsärzten zu übergeben.
Der Vorzug von zentralen Impfzentren wäre aber, dass die Impfwilligen dort stärker begleitet und geleitet werden können. Das würde dann wohl auch besser zum Plan der Regierung passen, die zögernden und zaudernden Zeitgenossen doch noch für eine Corona-Schutzimpfung zu gewinnen. Eine eigene, 3 Millionen Euro teure Kampagne des Landes ist bestellt, nach der Ausschreibung wurde eine Agentur ausgesucht und beauftragt. Über das Design der Kampagne werde noch beraten.
Wie Pörksen erläuterte, will Niedersachsen ganz bewusst die bundesweite Impfkampagne („Ärmel hochkrempeln“ mit mehreren Prominenten, die auf Plakaten ihre Impfbereitschaft bekunden) mit einer eigenen Plakat-, Anzeigen- und Social-Media-Aktion ergänzen. Dazu hatte es einen Landtagsbeschluss gegeben, mit dem die Regierung ausdrücklich zu diesem Vorgehen aufgefordert wurde.
Die Regierungssprecherin vermutet, dass im August die Kampagne starten könnte, da dann die meisten Impfwilligen schon ihre Spritze bekommen haben dürften – und dann hoffentlich auch genügend Impfstoff zur Verfügung steht, um die erhoffte zusätzliche Nachfrage rasch befriedigen zu können. Eine „Zielgruppenansprache“ ist vorgesehen – also etwa an religiöse Gruppen, in denen eine Skepsis gegenüber Impfungen besteht, an Migrantengruppen, die ihre Probleme mit der deutschen Sprache haben, oder auch an Menschen in sozialen Brennpunkten, die bisher auch nicht richtig für die Impfung begeistert werden konnten.
Der Sprecher des Sozialministeriums, Oliver Grimm, rechnet nun nicht mit Erfolgen bei denen, die von vornherein strikt gegen das Impfen sind und sich beispielsweise auf Querdenker-Kundgebungen als radikale Impfgegner outen. Aber es gebe viele zurückhaltende Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen bisher nicht bereit zum Impfen waren – weil sie Nebenwirkungen befürchten oder meinen, der Impfstoff sei nach der relativ kurzen Entwicklungszeit noch nicht ausgereift, oder auch, weil sie von radikalen Impfgegnern verunsichert worden sind.
Dass immer mehr Corona-Testzentren ihre Arbeit einstellen, hängt nach Einschätzung des Sozialministeriums auch mit dem Auslaufen der Finanzierung durch den Bund zusammen. Die Landesregierung sehe das aber nicht mit Sorge, solange immer noch genügend Testkapazitäten bestehen und die Bürger den Grundsatz beherzigten, vor größeren Veranstaltungen über Selbsttest Gewissheit über die eigene Infektion zu gewinnen.
Die Landesregierung rät bisher trotz des rasanten Falls der Inzidenzen landesweit immer noch zur Einhaltung der Abstandsregeln und der Maskenpflicht. Vor einer vollständigen Lockerung der Vorgaben schreckt das Kabinett auch weiterhin zurück. Die aktuelle Verordnung stellt Kommunen, in denen die Inzidenz bei weniger als zehn liegt, gleich mit solchen, die eine dauerhafte Inzidenz von Null haben. Daran wolle man zunächst auch nichts ändern, betonte Pörksen. Die Begründung sei, dass die Gefahr der indischen Variante immer noch riesig sei, solange ein Großteil der Bevölkerung noch nicht zum zweiten Mal die Corona-Schutzimpfung erhalten hat.


