11. Feb. 2026 · 
TagesKolumne

König Olaf

Der nächste Oldenburger Grünkohlkönig wird Olaf Lies heißen. Heißt das, dass Niedersachsen dann monarchische Züge bekommen wird? Warten wir es mal ab.

Was soll denn diese Überschrift: „König Olaf“? Widmet sich jetzt auch noch der Rundblick den Vorgängen im norwegischen Königshaus? Immerhin hat es in Norwegen schon mehrere Staatsoberhäupter mit diesem Namen gegeben – und gegenwärtig liefert dieses Land ja jeden Tag international neue Schlagzeilen, Mette-Marit, ihr angeklagter Sohn Marius und das verfluchte Netzwerk dieses ominösen Epstein… Wird also irgendein Olaf in der Thronfolge nach vorn rücken und die belasteten Figuren aus dem Schloss in Oslo verdrängen?

Bald ein König: Olaf Lies (spricht hier seinen Amtseid als Ministerpräsident). | Foto: Link

Nein, liebe Leser, gemeint ist kein norwegischer König (zumal die früheren Amtsinhaber dort „Olav“ und nicht „Olaf“ geschrieben wurden). Wir widmen uns heute mal wieder unserem Ministerpräsidenten Olaf Lies, einem Niedersachsen durch und durch. Der wird, wie das Politikjournal Rundblick aus sicherer Quelle erfahren hat, in zweieinhalb Wochen einen Königstitel angetragen bekommen. Lies soll der 67. „Oldenburger Grünkohlkönig“ werden – und den Ehrentitel von der amtierenden Majestät, des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther, übernehmen. Zunächst mal passt das perfekt: Lies aus Sande in Friesland ist ja, landsmannschaftlich gesehen, sowieso ein Oldenburger, übrigens der erste Oldenburger auf dem Stuhl des Regierungschefs in der fast 80-jährigen Geschichte des Landes Niedersachsen. Aber auch Lies wird dieses Amt nur ein Jahr innehaben, dann folgt der nächste. Wer das dann sein wird, wissen wir noch nicht.

Die Nominierung von Lies gibt Gelegenheit, diese Institution des Oldenburger Grünkohlkönigs mal näher zu beleuchten. Angeblich wollten die Oldenburger, denen nach dem Zweiten Weltkrieg der Status eines eigenen Bundeslandes verwehrt blieb, vor langer Zeit den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss einladen. Der habe dann aber freundlich abgesagt und erklärt, ohne besonderen Anlass könne er nicht einfach mal vorbeischauen. Also schufen die Honoratioren in Stadt und Region einen solchen Anlass, besannen sich auf die Tradition des begehrten Gemüses und erfanden den „Oldenburger Grünkohlkönig“. Heuss kam dann nicht, als 1956 der erste Titel verliehen wurde – man musste mit seinem persönlichen Referenten Hans Bott Vorlieb nehmen. Ein schlechtes Omen sollte das aber nicht sein, denn in den Folgejahren gelang es tatsächlich, politische Prominenz nach Oldenburg zu holen. Dazu zählen die Kanzler Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Gerhard Schröder (noch als Ministerpräsident) und Angela Merkel (noch CDU-Vorsitzende ohne Regierungschef-Amt).

Es sind nun auffällig viele Minister und Ministerpräsidenten, die den Thron des Grünkohlkönigs bestiegen haben. Politiker ohne Regierungsamt waren bisher eher die Ausnahme, und einen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten hatte man nur ein einziges Mal (Ernst Benda 1979). Immerhin war der erste Präsident der Bundesbahn dabei (1963) und der Botschafter aus der Türkei (2014), einmal auch ein pensionierter Staatssekretär (1960). Man soll also nicht behaupten, das Oldenburger Kurfürstenkollegium (gegenwärtig unter Vorsitz des Kabarettisten Dietmar Wischmeyer) würde nicht auch mal für Überraschungen gut sein.

Wir warten gespannt darauf, welches Profil „König Olaf“ demnächst in seiner neuen Rolle entwickeln wird. Wird er noch jovialer, noch integrierender sein und noch mehr auf Besänftigung und Verständigung setzen? Wird er noch gütiger werden und noch mehr Konflikte vertagen?

Im Rundblick von heute spielt Olaf Lies keine Hauptrolle. Hier die Themen:

  • Zweifelhafter Prozess: Wenn das Verfahren gegen frühere Continental-Manager wegen Beihilfe zum Betrug starten sollte, sind hohe Kosten zu erwarten. Ein Vergleich käme für den Staat vermutlich günstiger. Aber das zeichnet sich noch nicht ab.


  • Zweifelhafte Grenzziehung: SPD und Grüne sind auf der Zielgeraden bei der Einteilung der neuen Landtagswahlkreise. Angeblich soll es für Wilhelmshaven eine Ausnahme geben.


  • Zweifelhafte Finanzierung: Die Üstra-Chefin Elke van Zadel, Landesvorsitzende des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, beklagt die viel zu schwache Finanzausstattung des ÖPNV in Niedersachsen.

Wenn Olaf Lies das Königsamt übernommen hat, könnte Niedersachsen dann nicht in dieser Zeit den Beinamen „Königreich“ tragen? Das wäre doch ein schönes Geschenk zum 80. unseres Bundeslandes, oder?

Klaus Wallbaum

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #027.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum

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