Der nächste SPD-Krisenherd: Delmenhorst
Während alle diese Krisen eingehegt wurden, muss die SPD-interne Feuerwehr schon zum nächsten Ort rücken – Delmenhorst vor den Toren Bremens. In zwei Jahren sind neben den Kommunalwahlen auch Neuwahlen für das Amt des Oberbürgermeisters, und Amtsinhaber Axel Jahnz (62) macht seinen Job nach allgemeiner Einschätzung gut. Im Rat sitzen zehn Gruppierungen, die SPD stellt die stärkste Fraktion, Mehrheiten muss sich Jahnz von Mal zu Mal neu suchen. Warum gerade hier jetzt ein parteiinterner Streit kocht, in dem wechselseitig öffentlich schwere Vorwürfe geäußert werden, lässt viele Beobachter rätseln. Einer sagt, das seien die Vorboten der OB-Neuwahl in zwei Jahren. Jahnz lässt bisher offen, ob er noch einmal antritt – seine Kritiker tüfteln intern an Alternativen, heißt es. Vor diesem Hintergrund wirken die Kraftzentren Unterbezirksvorstand, Ratsfraktion und Oberbürgermeister, die jeder für sich versuchen, vom jeweils anderen nicht untergebuttert zu werden. [caption id="attachment_42370" align="alignnone" width="780"]
Das Ehepaar Harald Groth (links) und Roswitha Ahrens-Groth (rechts) attackieren den Delmenhorster SPD-Oberbürgermeister Axel Jahnz (Bildmitte) scharf. - Foto: SPD-Delmenhorst; Oliver Saul/Stadt Delmenhorst; privat[/caption]
Es ist ein Großprojekt, an dem sich der Streit nun entzündet – und das, obwohl in der Sache die Meinungsverschiedenheiten gar nicht so groß sind. Vor drei Jahren wurden ein katholisches und ein städtisches Krankenhaus, beide problembehaftet, zusammengeführt. Die Stadt bewarb sich um die Eigentümerschaft des fusionierten Hauses, ein ausgehandeltes Konzept wurde vom Rat erst abgelehnt, später dann aber doch beschlossen. Der zunächst geplante Neubau in der Innenstadt scheiterte wegen Schwächen im Konzept. Dann wurde ein größerer und moderner Neubau beschlossen, auch mit städtischen Investitionen. Trotz der Finanznot der Stadt kam eine Mehrheit im Rat dafür zustande. Das Land, das zunächst nur 70 Millionen Euro bereitstellte, will nun noch weitere 80 Millionen zusteuern, wie erst seit Juli sicher feststeht. Eigentlich ist das eine Erfolgsgeschichte, aber auf dem Weg zum Ergebnis gab es viel Gerangel, viele Konflikte, viele umstrittene Einzelabstimmungen in der kreisfreien Stadt mit ihren 82.000 Einwohnern. Da waren sich der Unterbezirksvorstand hier, der Ratsfraktionsvorstand dort nicht immer einig. Aus Sicht der Partei waren die Ratsmitglieder oft zu nah an der Linie des Oberbürgermeisters, aus Sicht vieler Mitglieder im Rat spielte und spielt ein Machtzentrum in der Delmenhorster SPD eine zu große Rolle – das Ehepaar Harald Groth und Roswitha Ahrens-Groth, zwei „graue Eminenzen“ in der Partei. Harald Groth, mittlerweile 76, ist in Hannover kein Unbekannter, er war von 1986 bis 2003 im Landtag und in den siebziger Jahren mit Anfang 30 für ein paar Jahre auch ehrenamtlicher Oberbürgermeister in Delmenhorst. Seit dieser Zeit ist er es gewohnt, die Geschicke der SPD mitzuprägen, also bald 50 Jahre lang.


