Niedersachsen hat nicht die Absicht, nach den jüngsten Verwirrungen um den Impfstoff Astrazeneca die strenge Prioritätenliste der Ständigen Impfkommission (Stiko) außer Acht zu lassen. „Es bleibt bei den bisherigen Reihenfolgen, wir halten daran fest“, sagten Regierungssprecherin Anke Pörksen und die Sprecherin des Sozialministeriums, Stefanie Geisler, am Mittwoch in der Landespressekonferenz. Zuvor hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angeregt, nach dem Hin und Her um Astrazeneca die festgelegte Rangordnung zu verlassen und jedem, der es möchte, eine Impfung mit diesem Stoff zu ermöglichen.
Pörksen und Geisler machten klar, dass Niedersachsen diesen Weg derzeit nicht verfolge. Die erste Prioritätengruppe sind Menschen über 80, Bewohner in Pflegeheimen und dortige Betreuungskräfte, sowie Klinikpersonal. Die Impfungen sind hier weitgehend schon geschehen. In der zweiten Gruppe sind Menschen über 70, Menschen mit schweren Vorerkrankungen, Polizisten und Lehrer, sowie Erzieher in Kindergärten und weitere Berufsgruppen mit vielen Außenkontakten. Beide Prioritätengruppen manchen zusammen 3,8 Millionen Menschen in Niedersachsen aus, also fast die Hälfte aller Einwohner.
Wir hoffen auf die Einsicht der Hausärzte, dass sie nicht durch die Hintertür von den Prioritäten abweichen.
Immer wieder ist gegen die strenge Priorisierung in Deutschland eingewandt worden, damit gehe die nötige Flexibilität verloren und der Impffortschritt sei langsamer. Nachdem die Stiko am späten Dienstagabend entschieden hatte, dass Astrazeneca wegen der Nebenwirkungen nicht mehr an Menschen unter 61 verimpft werden soll, kam bundesweit die Befürchtung auf, am Ende könne zu viel Impfstoff dieser Sorte übrig sein. Das niedersächsische Sozialministerium teilt diese Vermutung nicht, kündigt zudem auch noch einmal an, dass ab der kommenden Woche auch die Hausarztpraxen in die Lage versetzt werden sollen, ihre Patienten zu impfen.
Auf die Frage, ob die Hausärzte dann von der Prioritätenliste Abstand nehmen können, verneinte Regierungssprecherin Pörksen: „Wir hoffen auf die Einsicht der Hausärzte, dass sie nicht durch die Hintertür von den Prioritäten abweichen. Vorrang sollen diejenigen haben, die wegen des hohen Alters oder der Vorerkrankung besonders gefährdet sind – und die, die wegen der besonderen Arbeitszusammenhänge einer höheren Gefahr ausgesetzt sind.“ Hinzu kommt, dass 38.000 Menschen bisher die erste Impfung mit Astrazeneca erhalten haben und eigentlich bis Anfang Mai die zweite Impfung bekommen müssten. Da die Stiko nun die neuen Zweifel an Astrazeneca überprüfen muss, soll der Termin der Zweitimpfung zunächst um drei Wochen nach hinten rücken. Die Erwartung ist, dass innerhalb dieser Frist die Stiko geklärt hat, ob die zweite Impfung unproblematisch ist oder mit einem anderen Impfstoff geschehen soll.
Die Zahl der Landkreise und kreisfreien Städte, in denen über die Osterfeiertage und womöglich auch danach nächtliche Ausgangssperren verhängt werden, steigt weiter an. Pörksen begründete aber, warum für nächtliche Ostergottesdienste eine Ausnahme gilt und diese als „triftiger Grund“ angesehen werden. Zum einen müsse das Verfassungsrecht auf freie Religionsausübung beachtet werden, zum anderen hätten die Kirchen sehr effektive Schutzkonzepte entwickelt. Wichtig sei, dass sich Menschen vor und nach Gottesdiensten möglichst nicht in kleinen Gruppen versammeln und verweilen. Generell gilt über Ostern in Niedersachsen ein „Ansammlungsverbot“, Treffen in Gruppen in Freien sind verboten.
13 SPD-Landtagsabgeordnete aus der Region Braunschweig haben einen offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel geschrieben. Sie werben vehement dafür, dem Braunschweiger Unternehmen „Corat Therapeutics“ finanzielle Spritzen von 55 Millionen Euro, kurzfristig 20 Millionen, für die Entwicklung eines Antikörper-Medikamentes zur Behandlung von Covid19-Patienten zu geben. Bisher hätten sich Bundesgesundheits- und Bundesforschungsministerium nicht dazu entschieden, obwohl die Unterstützung dringend sei, denn das Medikament stehe kurz vor dem Start einer klinischen Testphase in bundesweit sechs Kliniken. Die Alternative, ein US-Präparat, helfe hier nicht, weil diese nicht für Patienten mit schwerem Verlauf geeignet sei. Die Firma Corat war bereits von der N-Bank und von Privatinvestoren gestützt worden, heißt es in dem Brief, den Christos Pantazis (SPD) an die Kanzlerin abgesandt hat.


