Kurz mal raus am Wochenende: Da gibt es in Niedersachsen ja eine Menge Möglichkeiten. Wir hatten uns für Bad Sachsa entschieden. Etwas verblüfft waren wir schon, als uns im Hotelzimmer ein Leih-Teddybär erwartete. Ein Zettel informierte uns, dass wir den knopfäugigen Mitbewohner auch käuflich erwerben können, wenn wir ihn bei unserem Aufenthalt ins Herz schließen sollten. Die Botschaft war klar: Als kinderloses Paar jenseits der Vierzig gehören wir nicht unbedingt zur Kernzielgruppe.

Mein Kollege Christian Wilhelm Link hat sich für die heutige Ausgabe in Bad Sachsa umgesehen und erfahren: Hier soll demnächst in touristischer Hinsicht der Bär steppen. Auch bei den geplanten Angeboten hat man die Zielgruppe „Familien“ fest im Blick. „Jeder kennt die Situation, wenn du bei Regenwetter mit Kindern beengt in einer Ferienwohnung sitzt und dir die Beschäftigungsideen ausgehen. Genau hierfür haben wir die passende Lösung geschaffen“, verspricht Investor Volker Kurz. Nun, ob jeder diese Situation kennt, sei dahingestellt. Viele Familien sitzen das ganze Jahr über in beengten Wohnungen. Aber das ist ein ganz anderes Thema.
Als ich Kind war, waren trostlose Landschulheime im Harz das Ziel alljährlicher Klassenfahrten. Ich erinnere mich an eine Lehrkraft, der so schnell die Beschäftigungsideen ausgegangen sind, dass wir dieselbe Wanderung innerhalb einer Woche zweimal machen mussten. Man war froh, wenn man als alt genug galt, um auf Klassenfahrt in eine richtige Stadt zu fahren und dem Harz den Rücken zu kehren. Dabei ist es dort eigentlich sehr schön und der Harz hat es verdient, dass ihn Kinder unter günstigeren Vorzeichen kennen lernen.
Übrigens hat Christian Wilhelm Link auch eines der Rätsel meiner Kindheit gelöst. Früher gab es ein Wanderziel mit dem Namen „Jägermeister Baude“, wo man nicht nur Schnaps trinken, sondern auch bei der Fütterung von Wildtieren dabei sein konnte. Mittlerweile hat die Location den deutlich familienfreundlicheren Namen „Marienteich Baude“ bekommen. Aber was ist eine Baude? Der Kollege weiß es: „Eine niedersächsische Almhütte“, antwortet er postwendend. Ah, jetzt verstehe ich! Leider ist es mit diversen bürokratischen Hürden verbunden, eine Baude zu bauen, wie Sie gleich lesen können. Aber der Reihe nach:
Kommen Sie gut durch den Donnerstag – mit Teddybär, wenn nötig!
Ihre Anne Beelte-Altwig