15. März 2019
Soziales

Frauenministerin kritisiert Unternehmen: Männer werden immer noch besser bezahlt

Die niedersächsische Frauenministerin Carola Reimann (SPD) hat Beschäftigte und leitende Angestellte in den Betrieben dazu aufgerufen, am Arbeitsplatz auch über die Entlohnung zu sprechen. „Wenn die Höhe des Gehaltes in den Betrieben ein Tabuthema ist, wird ungerechte Bezahlung begünstigt. Deshalb ist es wichtig, dass wir über Geld reden“, betonte die Ministerin. Seit Anfang des vergangenen Jahres gelte eine gesetzliche Regel, wonach Frauen in Firmen mit mehr als 200 Beschäftigten erfragen können, wie viel ihre männlichen Kollegen im Durchschnitt als Gehalt überwiesen bekommen. Reimann äußerte sich zum heutigen „Equal Pay Day“, der symbolisch die statistische Lohnlücke von 21 Prozent zwischen den Geschlechtern beschreibt. Der 18. März ist demnach der Tag, bis zu dem statistisch die Frauen umsonst gearbeitet haben, während die Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt wurden. Ihre Stellungnahme verknüpfte die Ministerin mit einer kritischen Beurteilung der gängigen Praxis. „Gleicher Lohn soll für gleichwertige Arbeit gezahlt werden. Dieser eigentlich selbstverständliche Grundsatz wurde auch 2018 bei der Bezahlung von Frauen und Männern nicht eingehalten.“ Zumeist würden die Frauen in Betrieben in den schlechter bezahlten Branchen eingesetzt. Die Folge davon seien schlechtere berufliche Aufstiegschancen. Insbesondere die sozialen Berufe müssten daher aufgewertet werden, hier sei unbedingt eine angemessene Vergütungsstruktur erforderlich. Immer noch seien es außerdem meistens die Frauen, die mit Hausarbeit neben der Arbeit belastet seien. Für Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege von Angehörigen würden Frauen im Vergleich zu Männern im Schnitt doppelt so viel Zeit verbringen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei daher ein ganz wichtiges Thema. Da viele Männer mehr Zeit für ihren Beruf aufwenden könnten, hätten sie auch bessere Aufstiegsmöglichkeiten.
Dieser Artikel erschien in Ausgabe #051.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning