4. Feb. 2026 · 
TagesKolumne

Ein Schiff voller Flüchtlinge – und ein Name auf einer Glocke

Die TagesKolumne blickt in die Geschichte und entdeckt einen CDU-Politiker, der Flüchtlinge von Schiffen rettete.

Nein, ich bin nicht böse. Tun Sie, was Sie tun müssen. Also: Wenn Sie sofort wissen wollen, wie unsere Serie zur Wahl von Ernst Albrecht weiter geht, dann müssen Sie jetzt diese Kolumne überspringen. Wir merken es an den Reaktionen auf Social Media und an Ihren Rückmeldungen, dass der Wahlkrimi von 1976 und die überraschende Entscheidung für den Newcomer aus Brüssel nach wie vor faszinieren. Für mich ist es eines dieser immer seltener werdenden Ereignisse, von denen ich sagen kann: Da war ich noch gar nicht geboren.

Ein Teenager trommelt auf einer riesigen Trommel, die auf einem Gerüst auf der Höhe seines Kopfes steht.
Trommler in der Pagode Vien Giac in Hannover | Foto: Beelte-Altwig

Ernst Albrecht begegnete ich bewusst eigentlich erst nach seinem Tod, und zwar in der Pagode Vien Giac in Hannover. Das ist ein buddhistisches Kloster und Treffpunkt von asiatisch stämmigen Deutschen weit über die Landeshauptstadt hinaus. Dort erklingt eine Glocke, die den Namen Ernst Albrechts trägt. Die vietdeutsche Community hat ihm nicht vergessen, dass er eintausend so genannten „Boat People“ in Niedersachsen eine neue Heimat gab. Monatelang hatte der Frachter „Hai Hong“ 1978 voller Flüchtlinge vor der Küste Malaysias vor Anker gelegen, bis sich ein Land bereit erklärte, die Menschen aufzunehmen. Es waren Angehörige der Mittel- und Oberschicht aus dem Süden Vietnams, die nicht in einem wiedervereinigten Land unter der Herrschaft der nordvietnamesischen Kommunisten leben wollten.

Ein Unionspolitiker, der Flüchtlinge von einem Schiff rettet: Das war nicht die einzige Überraschung, die ich erlebte, als ich zur Geschichte der Religionen in Hannover recherchierte. Aber Niedersachsen ist ja immer für Überraschungen gut. Im Archiv der Lokalzeitungen las ich, dass Hannovers Stadtdirektor Hans Nehring gar nicht begeistert war: Langjährige Beobachtungen hätten gezeigt, argumentierte er, dass eine Integration in der Anonymität der Großstadt nicht zu erwarten sei. Es waren die CDU-Ratsfraktion und die Kirchen, die sich dafür einsetzten, dass die Flüchtlinge bleiben durften. Die Vietnamesen machten es den Niedersachsen leicht mit ihrem Fleiß, ihrer Zurückhaltung und ihrer Wertschätzung für Bildung. Und Hannover hat die bescheidenen Erwartungen seines Stadtdirektors auch übertroffen, würde ich behaupten.

Wir hoffen, dass wir Ihre Erwartungen heute mit folgenden Themen übertreffen können:

  • Neue Chefin stellt sich vor: Anikó Glogowski-Merten erläutert, wie sie die politische Bildung in Niedersachsen voranbringen will.


  • Wissenschaft mit Strategie: Damit Deutschland auch 2040 ein attraktiver Wissenschaftsstandort ist, soll in die Forschung investiert werden. Aber auch vom Konsolidieren ist in einem Strategiepapier die Rede.


  • Serie: Vor 50 Jahren sorgte die Wahl von Ernst Albrecht im Landtag für eine Sensation. Der frühere Landtagspräsident Rolf Wernstedt erinnert sich an die damaligen Ereignisse.


  • Außerdem: Wem gehört Tennet? Wer wird Vizepräsidentin des Deutschen Städtetages? Wer bereitet den Tag der Niedersachsen in Braunschweig vor? Wer hat auch mal Lob für die Bundesregierung?

Bleiben Sie offen für Überraschungen an diesem Donnerstag!

Ihre Anne Beelte-Altwig

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #022.
Anne Beelte-Altwig
AutorinAnne Beelte-Altwig

Artikel teilen

Teilen via Facebook
Teilen via LinkedIn
Teilen via X
Teilen via E-Mail
Ein Schiff voller Flüchtlinge – und ein Name auf einer Glocke