3. Feb. 2026 · 
MeldungBildung

Neue Chefin der Landeszentrale will „ansprechen, was nicht angesprochen wird“

Wohin steuert die Landeszentrale für politische Bildung? Die neue Direktorin will auch auf Menschen zugehen, die der Demokratie skeptisch gegenüberstehen.

Falko Mohrs und Anikó Glogowski-Merten. | Foto: Kleinwächter

Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) hat am Dienstag die neue Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung vorgestellt. Anikó Glogowski-Merten aus Braunschweig, ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete, übernimmt die Führung der Einrichtung, die unter der Rechtsaufsicht des Wissenschaftsministeriums steht. „Diese Landeszentrale darf keine parteipolitische Veranstaltung sein“, betonte Mohrs. Die Unabhängigkeit sei wichtig – und sie drücke sich dadurch aus, dass das Fachkuratorium sich einmütig für Glogowski-Merten ausgesprochen hat. Im neuen Kuratorium sind Vertreter von SPD, CDU, Grünen und AfD vertreten.

Bei ihrer Vorstellung sagte die 43-Jährige, dass sie die „Debattenkultur fördern“ wolle. „Wir erleben heutzutage sehr hysterische Diskussionen, in denen es oft nur um Schwarz oder Weiß geht – und die Zwischentöne nicht mehr zur Geltung kommen. Diese Verhärtung wolle sie aufbrechen. Mein Team soll auch Dinge ansprechen, die in einigen Gruppen nicht mehr angesprochen werden.“ Es gehe darum, „Debattenbrüche zu erkennen und gegenzusteuern“. Die Neuaufstellung der 2017 wiedergegründeten Landeszentrale geht mit einer Personal- und Etatverstärkung einher. Bisher hatte diese Institution einen Etat von 1,5 Millionen Euro, künftig wird es annähernd das Doppelte dieser Summe sein. Die Zahl der festen Mitarbeiter wächst von neun auf 17. Glogowski-Merten hob hervor, dass sich die Arbeit nicht auf die Großstädte konzentrieren dürfe, sondern auch den ländlichen Raum ausreichend berücksichtigen müsse. Wie das geschehen soll und ob es womöglich Außenstellen geben wird, sei noch nicht entschieden.

Anikó Glogowski-Merten (rechts) in der Landespressekonferenz mit dem LPK-Vorsitzenden Niklas Kleinwächter (Mitte) und Wissenschaftsminister Falko Mohrs. | Foto: Wallbaum

Mohrs erklärte, die vielen Unsicherheiten der politischen Großwetterlage belegten, wie notwendig eine Stärkung der politischen Bildung ist. Bisher habe sich die Landeszentrale wegen ihres begrenzten Budgets darauf konzentriert, als Kooperationspartner für vorhandene Initiativen und Gruppen zu agieren. Künftig könne sie auch selbstständig stärker in Erscheinung treten und agieren. Glogowski-Merten ergänzte, der Austausch mit den Akteuren vor Ort sei natürlich wichtig. Daneben gehe es ihr auch darum, an Schulen, Hochschulen und sogar Kindergärten heranzutreten und Grundlagen der politischen Bildung zu vermitteln. Für die Kleinsten gehe es etwa darum zu lernen, dass Aushandlungsprozesse und Kompromisse alltäglich und notwendig seien. Erreichen wolle man nicht nur jene, die sowieso schon Anhänger der Demokratie sind – sondern vor allem auch die, die diesem System distanziert oder ablehnend gegenüberstehen. Die digitalen Angebote seien wichtig, aber Glogowski-Merten schränkt ein: „Dort, wo sich Menschen von den digitalen Geräten zurückziehen und wieder direkt mit anderen reden wollen, können wir als Landeszentrale helfen, den Austausch zu erleichtern.“ Sie wolle durchaus „disruptiv“ agieren – also provokant und überraschend. „Es kann beispielsweise sein, dass wir in Sportvereinen auftreten. Also dort, wo man uns nicht erwartet.“

Die neue Direktorin der Landeszentrale ist FDP-Mitglied, fühlt sich mit der Aufgabe in der rot-grünen Regierung aber „ein bisschen so, als wenn ich in der Familie angekommen bin“. Ihr Ehemann ist bei den Grünen aktiv, ihr Schwiegervater ist Sozialdemokrat und war 1998 und 1999 niedersächsischer Ministerpräsident.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #022.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum

Artikel teilen

Teilen via Facebook
Teilen via LinkedIn
Teilen via X
Teilen via E-Mail
Neue Chefin der Landeszentrale will „ansprechen, was nicht angesprochen wird“