„Eine Wurst ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan“: Mit dieser nur bedingt identitätsstiftenden Aussage preschte Friedrich Merz (CDU) am Wochenende beim ARD-Talk mit Caren Miosga ins argumentative Niemandsland vor. Was der Bundeskanzler jedoch recht deutlich machte, war seine Überzeugung, dass Bezeichnungen wie „Veggieburger“ und „Tofuschnitzel“ irreführend seien und deshalb verboten werden müssten. Einen entsprechenden Antrag dazu hat die Europäische Volkspartei (EVP) ins Europaparlament eingebracht.
Die Verbraucherschützer halten dagegen: „Niemand kauft versehentlich Tofuwürstchen, weil er glaubt, es seien Rinderknacker“, sagt Foodwatch-Geschäftsführer Chris Methmann, den auch noch niemand für eine Stadt in NRW gehalten hat. Seiner Ansicht nach geht es den EU-Politikern nicht um mehr Klarheit für die Verbraucher, sondern um Symbolpolitik zugunsten der Fleischwirtschaft.

Fleischwirtschaft ist allerdings nicht gleich Fleischwirtschaft. Bei der Rügenwalder Mühle, die sich am Zwischenahner Meer dreht, ist man von dem EVP-Vorstoß nicht begeistert. Und auch bei der größten deutschen Geflügelschlachterei Wiesenhof aus Visbek im schönen Oldenburger Münsterland, die ihre veganen Produkte selbst als „vegane Geflügel-Salami“ vermarktet, hat man sich von der Politik eigentlich ganz andere Maßnahmen erhofft – Vereinfachungen beim Umbau zu tierfreundlichen Ställen zum Beispiel. Aber mit solchen Themen kommt man bestenfalls in den Rundblick, nicht in die Prime-Time-Talkshows.
Mir tut es aber vor allem leid um die Emsland-Group aus Emlichheim. Die hat ausgerechnet vor dem Wochenende ihre neue „vegane Bolognese-Saucen-Konzeption mit exzellenter Textur“ vorgestellt. Sollte das Verbot kommen, kann die Soße unter diesem Namen freilich nicht vermarktet werden. Für viel mehr Klarheit im Sinne der EVP würde aber ohnehin die Bezeichnung „pflanzenbasierte, tomatenähnliche Soßenkomposition mit Pastencharakter“ sorgen. Schade ist es auch um die Milchstraße, die bekanntermaßen völlig laktosefrei ist. Auch sie müsste dann künftig „galaktisches Flüssigkeitsband ohne tierischen Ursprung“ heißen – denn ansonsten könnten Sternengucker verwirrt sein.
Keine Verwechslungsgefahr besteht bei den Themen der heutigen Rundblick-Ausgabe:
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link


