Ganderkesee ist kein Einzelfall
Was stimmt eigentlich in unserem Land nicht? Die Attacke in Ganderkesee ist kein Einzelfall. Vor wenigen Tagen schmissen Jugendliche Steine auf zwei Polizisten und eine Polizeistation im schleswig-holsteinischen Preetz. In Heidelberg griff ein Betrunkener Polizisten an, die ihm helfen wollten. Drei Beamte wurden verletzt. Attacken auf Polizeibeamte gehören inzwischen zum Alltag. Die Verrohung und Verprollung, die sich tagtäglich im Kleinen abspielt, nimmt bei Massen-Besäufnissen dann exponentiell zu. Man muss sich nur einmal an einem Fußball-Samstag in Stadionnähe durch die Innenstadt quälen oder an Christi Himmelfahrt vor die Tür gehen. Der Tag des „Aufstieg des Herren“ ist inzwischen zu einem reinen Festtag für Pseudo-Väter geworden, die grölend und alkoholisiert Bollerwagen hinter sich herziehen. Das gute Benehmen liegt häufig auch im Bollerwagen unter Bierflaschen begraben.
Wer mit dem Finger mahnend auf Flüchtlinge zeigt, auf den zeigen inzwischen etliche Finger zurück.
Die Alkohol-Aussetzer machen auch deutlich, wie unsinnig die deutsche Leitkultur-Debatte ist. Denn während es bei der Attacke auf Polizisten in einer Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen einen Aufschrei samt unverzüglicher Reaktion des Bundesinnenministers gab („Das ist ein Schlag ins Gesicht der rechtstreuen Bevölkerung"), fiel die Reaktion auf die Randale in Ganderkesee deutlich gedämpfter aus. Dabei war es im Prinzip derselbe Vorfall. Zugunsten der Flüchtlinge spricht dabei noch, dass sie sich in einer Ausnahmesituation befinden, während die vermeintlich braven deutschen Staatsbürger in Ganderkesee morgens ihr Einfamilienhaus verließen, um mit Alkohol kräftig zu feiern – was immer man auch darunter verstehen möchte. Wer mit dem Finger mahnend auf Flüchtlinge zeigt, auf den zeigen inzwischen etliche Finger zurück.


