8. Juni 2026 · 
TagesKolumne

Die Angst vor der Stecknadel

Niedersachsen sucht den Super-Slogan: Heute wird die neue Marketingkampagne in Berlin enthüllt. Warum man in der Staatskanzlei bereits jetzt weiche Knie bekommt.

Niedersachsen stellt am heutigen Montag seine neue Marketingkampagne vor. Für Olaf Lies ist das womöglich die heikelste Aufgabe seiner bisherigen Amtszeit als Ministerpräsident. Wenn er in Berlin ans Rednerpult tritt, braucht er die stählernen Nerven eines Stand-up-Comedians bei der Premiere. Falls der neue Niedersachsen-Claim nicht zündet, droht ein historisches Desaster. Man stelle es sich lieber nicht vor: Der Regierungschef verkündet den Slogan mit vollem Pathos, und im Saal der Landesvertretung hört man danach nur eine Stecknadel fallen, während ein einsamer Tumbleweed (hierzulande auch bekannt als Steppenhexe) am Podium vorbeirollt.

Dabei sind die Erwartungen an die Hamburger Kreativagentur Scholz & Friends im Lande ohnehin gedämpft. Die Niedersachsen sind schließlich bodenständig. Ich persönlich rechne fest mit einem Spruch à la: „Niedersachsen. Von allen Bundesländern eines der Bundesländer.“ oder „Niedersachsen. Weil irgendwo die Kühe wohnen müssen.“ Das wäre immerhin ehrlich, technisch korrekt und würde niemanden überfordern.

Ob uns am Nachmittag vor dem Berliner Sommerfest nun ein echter Knaller serviert wird oder die Werbeprofis am Ende doch nur das Offensichtliche plakatieren, zeigt sich heute ab 16 Uhr. Wenn die große Begeisterung im Saal ausbleibt? Halb so wild. Mehr als ein norddeutsch-zurückhaltendes „So schlecht ist das gar nicht“ ist als Lob ohnehin kaum zu erwarten. Und falls die Agentur völlig danebengreift, taugt das Ergebnis immer noch als gemeinschaftsbildende Maßnahme: Nichts schweißt die Niedersachsen schließlich so eng zusammen wie das gemeinsame Echauffieren über vermeintlich sinnlose Ausgaben des Staates.

Demnächst vielleicht auch an einer Wand in Ihrer Nähe: Der neue Niedersachsen-Slogan – wie immer er auch heißen mag. | Foto: Link/mit KI generiert

Ein weiteres, einendes Element in Niedersachsen ist das sehnsüchtige Warten auf die neue Ausgabe des Rundblicks. Da ist sie nun endlich mit folgenden Themen:

  • Debatte um Antisemitismus: Der deutsch-britische Autor Nicholas Potter meint, die Linkspartei schieße sich "ins Abseits", denn sie habe den Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht im Griff.


  • Mehr Druck auf Chefetagen: Niedersachsen setzt bei der Frauenquote auf neue Steuerung: Künftig müssen Landesunternehmen den Frauenanteil in den Chefetagen quartalsweise ans Finanzministerium melden.


  • Nord/LB vor dem nächsten Schritt: Die 2019 begonnene Rettung der Nord/LB zeigt Früchte: Der Landesbank geht es gut. Damit stellt sich die Frage, ob der Sanierungsfall beendet ist und nun gehandelt werden muss.

Einen sturmfesten Start in die Woche wünscht
Ihr Christian Wilhelm Link

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #104.
Christian Wilhelm Link
AutorChristian Wilhelm Link

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