6. Apr. 2021
Soziales

Das sind die Impfziele bis Ende Mai

In Niedersachsen soll bis Ende Mai mindestens ein Viertel der Bevölkerung zumindest einmal gegen Corona geimpft worden sein. Das hat Sozialministerin Daniela Behrens am Dienstag mit Blick auf die anstehenden Liefermengen angekündigt. Sie geht davon aus, dass Ende dieses Monats ein Fünftel der Niedersachsen die Erstimpfung und mehr als sieben Prozent die Zweitimpfung erhalten haben. Ende Mai dürften nach Behrens‘ Einschätzung dann mehr als 26 Prozent erst- und fast 13 Prozent zweitgeimpft sein. Diese Zahlen beziehen sich allein auf die Arbeit der Impfzentren. Hinzu kommen ab heute noch mehr als 9000 Arztpraxen, die nun ebenfalls gegen Corona impfen können. Durch sie könnten zunächst zwischen 180.000 und 450.000 Impfungen pro Woche hinzukommen. Im Laufe des Mai sollen darüber hinaus die Betriebsärzte impfen können. „Wir sprechen gerade vor allem mit großen Unternehmen darüber, ob dafür eigene Impfzentren aufgebaut werden“, sagte Behrens. Man unterstütze die Betriebe dabei und wünsche sich, dass die Großen auch die „Nachbarschaft“, also die Mitarbeiter kleinerer Unternehmen bei den Impf-Planungen einbeziehen. Zu Beginn des Sommers wird es laut Behrens keine Priorisierung beim Impfen mehr geben. „Dann können wir uns auf alle fokussieren, die geimpft werden wollen“, so die Ministerin.

Lage auf den Intensivstationen: Behrens sprach von einer großen Belastung auf den Stationen, eine komplette Auslastung gebe es aber nicht. Bei den Intensivbetten gibt es der Ministerin zufolge derzeit eine Auslastung von 60 Prozent. Darüber hinaus seien jeweils etwa ein Drittel der Betten mit Beatmungsgerät und der sogenannten ECMO-Plätze mit einer sogenannten künstlichen Lunge belegt. Es sei zwar eine leichte Steigerung zu erwarten, erklärte Behrens. „Wir haben keine große Not, man kann aber noch keine Entwarnung geben.“

Erste Modellkommunen starten in dieser Woche:  Von den 14 Modellkommunen für Teil-Öffnungen sind erst einmal nur noch 13 übrig. Die Samtgemeinde Elbtalaue hat keine korrekten Angaben zur digitalen Nachverfolgung gemacht und war zu einem Rückzieher gezwungen. Gerade der Punkt der digitalen Kontaktnachverfolgung sei bei vielen der 65 Bewerber-Kommunen ein Problem gewesen, erklärte Behrens. Die Mehrzahl der Kommunen sei allerdings auch einfach an zu hohen Inzidenzwerten gescheitert. Mit Buxtehude und Aurich wollen zwei Kommunen bereits in dieser Woche mit ihren Modellversuchen starten, der Großteil will ab dem kommenden Montag beginnen, also vom 12. April an.

Keine Unterstützung für „Brücken-Lockdown“: Bei seiner Forderung nach einem harten und kurzen Lockdown im April bekommt CDU-Bundeschef Armin Laschet keine Unterstützung aus Niedersachsen. „Wir sehen keine Gründe, gerade über einen Lockdown zu spekulieren und wollen uns gerade weder am Kleinreden noch an der Panikmache beteiligen“, sagte Behrens am Dienstag. Wichtig sei, dass es jetzt eine Perspektive gebe. „Nur ein Lockdown ist eine sehr schmale Antwort nach einem Jahr Pandemie“, so Behrens. Zuvor hatte Ministerpräsident Stephan Weil kritisiert, Laschet trage mit seiner Forderung zur Verunsicherung bei, weil vollkommen unklar bleibe, ob dabei zum Beispiel die Notbetreuung in Kindertagesstätten geschlossen und die Wirtschaft vollständig heruntergefahren werden solle. Weil zeigte sich entgegen Rufen auch aus seiner eigenen Partei nach einem harten Lockdown (etwa von Karl Lauterbach) zuversichtlich, dass die Lage sich entspanne. Er wolle auch all denen widersprechen, die meinten, nach einer neuen kurzen und heftigen Verschärfung der Auflagen werde man das Virus besiegt haben. „Wir dürfen nicht falsche Hoffnungen wecken“, betonte Weil.

Weniger Einschränkungen für Geimpfte: „Wir müssen den Geimpften mehr Freiheiten ermöglichen“, hatte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer am Wochenende gefordert und damit einen Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unterstützt. Sozialministerin Daniela Behrens hält die Diskussion darüber für verfrüht, schließlich seien gerade einmal gut fünf Prozent vollständig gegen Corona geimpft. Allerdings begrüßte sie, dass heute in der Konferenz der Gesundheitsminister über das Thema gesprochen werden soll. Eine wichtige Voraussetzung sei durch die Erkenntnis des Robert-Koch-Instituts gegeben, nach dessen Annahme Geimpfte nicht mehr ansteckend sein können. „Das ist eine wesentliche Annahme, um Geimpfte aus der Testpflicht herauszunehmen“, so Behrens.

Weiter Vertrauen in Astrazeneca: Nach den Thrombose-Fällen und der Einschränkung für den Impfstoff von Astrazeneca sind Behrens zufolge „keine wesentlichen Verweigerungen“ beim Impfen zu verzeichnen. Es gebe keine Probleme damit, Astrazeneca zu verimpfen, man lasse sich täglich aus den Impfzentren berichten. „Wir haben keine Störmeldungen dazu“, betonte die Sozialministerin.

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #064.
Martin Brüning
AutorMartin Brüning