14. Apr. 2026 · 
TagesKolumne

Culture Crash

Ein künstlerischer Verkehrsunfall hält den Tageskolumnisten auf dem Weg zur Arbeit auf. Erster Termin: ausgerechnet die Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik.

Mein Start in die neue Arbeitswoche erfuhr an diesem Montagmorgen eine jähe Unterbrechung. Auf dem gewohnten Weg in Richtung Redaktion bog ich nichts ahnend mit meinem Fahrrad um eine Häuserecke, und da türmten sie sich in nicht allzu weiter Ferne bedrohlich vor mir auf: mitten auf der Straße, ungut ineinander verkeilt, arg ramponiert und ordentlich beschmiert – zwei Personenkraftwagen, die sich bei hoher Geschwindigkeit in einen Unfall miteinander verwickelt zu haben schienen.

Foto: Kleinwächter

Nach dem ersten Schockmoment kam mit der Erinnerung rasch auch die Entwarnung: Das ist kein Unfall. Das ist Kunst. Wie in Hannover üblich, kann davon schon mal der Straßenverkehr beeinträchtigt werden. Es handelt sich um die Kunstinstallation „Crash Pipe“ der gefeierten Star-Choreografin Florentina Holzinger. Die Stadtverwaltung selbst schreibt von „frischem Schwung“, den die Auto-umrankte Rollschuh-Rampe zunächst auf der Sophienstraße vor dem Künstlerhaus in die Landeshauptstadt bringen soll. Ich merkte davon zunächst wenig, mich bremste die Kunst bloß aus.

Als ich nach einem kurzen Umweg dann doch im Büro angekommen war, fragte ich mich, ob wohl diese gesperrte Straße verantwortlich ist für den verzögerten Beginn meines ersten Termins an diesem Montag. Gegen Acht Uhr Dreißig informierte das Innenministerium darüber, dass die Pressekonferenz zur Vorstellung der polizeilichen Verkehrsunfallstatistik statt um Zehn erst um halb Elf beginnen könne. Aus mehrjähriger Beobachtung weiß ich: Der Weg zur Arbeit führt auch für Daniela Behrens für gewöhnlich durch die Sophienstraße.

Ein Verkehrsunfall – ob künstlerisch oder real – war allerdings nicht der Grund für den verzögerten PK-Start. „Das Gute ist, dass wir Geld haben und damit Straßen bauen“, sagte die Innenministerin schließlich im Konferenzraum im dritten Stock und erläuterte vor uns Journalisten weiter: „Das Schlechte ist, dass dadurch Baustellen entstehen.“ Sie habe Sorge gehabt, es nicht rechtzeitig nach Hannover zu schaffen. Doch am Ende ist zum Glück alles gutgegangen und die Ministerin ist unfallfrei in den Schiffgraben gelangt. In 208.720 Fällen ist bei anderen Menschen in Niedersachsen die Teilnahme am Straßenverkehr im vergangenen Jahr nicht so glimpflich abgelaufen.

Niedersachsens Verkehrsunfälle sind nur ein kleiner Aspekt unserer heutigen Berichterstattung. Das gesamte Lagebild gibt’s hier:

  • Korruptionsverdacht: Gibt es eine Fortsetzung der Affäre um den korrupten Staatsanwalt? Womöglich wird ein Top-Jurist aber auch völlig ungerechtfertigt angegriffen. Die Ermittlungen dauern noch an.


  • Queerfeindlichkeit: Attacken auf queere Menschen landen in der Polizeistatistik. Aber nicht alles wird angezeigt oder ist gravierend genug. Auch diese Ereignisse sollen jetzt erfasst werden.


  • Windkraftblockade: Das Berliner Netzpaket sorgt für Alarm: In Niedersachsen drohen Milliarden-Investitionen in Wind und Gas zu platzen. Die Branche warnt vor einem Stoppschild für die Energiewende.


  • Verkehrsunfälle: Erhöhte Geschwindigkeit ist die häufigste Ursache für Verkehrsunfälle in Niedersachsen. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) nimmt aber auch die Verkehrstüchtigkeit in den Blick.


  • Personen und Positionen: Christian Meyer, Martina Machulla, Susanne Gerstner.

Fahren Sie vorsichtig – und auf dem Fahrrad am besten mit Helm!

Ihr Niklas Kleinwächter

Dieser Artikel erschien in Ausgabe #069.
Niklas Kleinwächter
AutorNiklas Kleinwächter

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