23. Apr. 2024
Parteien

CDU will Recht auf Weiterbildung in der Verfassung

Die CDU-Landtagsfraktion hat in ihrer Klausurtagung auf Norderney einen Vorschlag zur Änderung der Landesverfassung beschlossen. Das „Recht auf Weiterbildung“ soll in Artikel 4 verankert werden. Wie Fraktionschef Sebastian Lechner und die Parlamentarische Geschäftsführerin Carina Hermann berichteten, ist das die Konsequenz der Veränderung in der Arbeitswelt. Der beschleunigte Wandel von Tätigkeiten, der Einfluss der „Künstlichen Intelligenz“ und der rasante technologische Fortschritt forderten von den Arbeitnehmern in der Zukunft stärker als bisher die Aktualisierung ihres Wissens.

Sebastian Lechner begrüßt die CDU-Fraktionsmitglieder beim „bunten Abend“ auf Norderney. | Foto: Wallbaum

Damit jeder, der das will, auch die Chancen zur Weiterbildung bekommen kann, solle das Recht darauf in der Verfassung festgeschrieben werden. Auch das Erwachsenenbildungsgesetz solle entsprechend angepasst werden, ebenso das Hochschulgesetz. Ein integratives Konzept aus Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden, freien Trägern und Hochschulen sei erforderlich. Finanziert werden solle dies über einen „Innovationsfonds“, dessen nähere Details die CDU noch nicht festgelegt hat. Hochschulen und Berufsschulen sollten zudem die Chance erhalten, Einnahmen von den Nutzern der Weiterbildungsangebote oder ihren Arbeitgebern zu kassieren.

Warten auf Rot-Grün

Mit ihrem Beschluss öffnet die CDU ein Tor für rot-grüne Gegenvorschläge. Die Verfassung kann nur mit Zweidrittelmehrheit geändert werden, damit wird die Zustimmung von SPD, Grünen und CDU für einen solchen Schritt erforderlich. Nun liegt es nah, dass sich die CDU mit ihrer Idee durchsetzen kann, wenn im Gegenzug Rot-Grün das Ja der CDU für eigene Vorschläge zur Ergänzung der Landesverfassung vorträgt. Zwar sagte CDU-Chef Lechner, es gebe „keine Kompensationsgeschäfte“, also keinen Handel mit Rot-Grün. Dennoch dürfte es solche Gespräche geben.

„Inselkonferenz der CDU“ mit Saskia Buschmann (Mitte), Landrat Olaf Meinen (links neben ihr), und Sebastian Lechner (rechts neben ihr), Norderneys Kurdirektor Wilhelm Loth (links) und Norderneys CDU-Vorsitzender Jann Ennen (rechts). | Foto: Wallbaum

Für eine rot-grüne Dauerforderung, nämlich die Absenkung des Wahlalters zur Landtagswahl von 18 auf 16 Jahre, dürfte eine Verständigung nicht gelingen. Die CDU lehnt das Wahlalter 16 strikt ab. In Koalitionskreisen kursiert aber darüber hinaus offenbar auch die Vorstellung, man möge die Verankerung Niedersachsens in der EU deutlicher hervorheben. Das sei, heißt es, gerade angesichts der aktuellen EU-feindlichen Kampagne der AfD von Vorteil.

Bisher steht in der Landesverfassung, Niedersachsen sei ein „Rechtsstaat in der Bundesrepublik Deutschland und Teil der europäischen Völkergemeinschaft“. Die Überlegung lautet nun so: Wenn anstelle „europäischer Völkergemeinschaft“ künftig „Teil der Europäischen Union“ steht, kann es bei möglicher EU-feindlicher Mehrheit im Bund schwerfallen, einen Austritt aus der EU zu vollziehen – da diese Mitgliedschaft ja in Niedersachsen dann Verfassungsrang hat.

  • Forderungen für die Inseln: Die CDU beschloss ein Aktionsprogramm für die Ostfriesischen Inseln: Beim Baurecht solle so angepasst werden, dass auf den Inseln Bauvorhaben unkomplizierter und schneller verwirklicht werden können – über eine „Sonderzone Inseln“. Auch eine Besserstellung im kommunalen Finanzausgleich sei sinnvoll. Bund und Land sollten den Küstenschutz für Hochwassergefahren auf den Inseln erheblich aufbessern und viel mehr Geld dafür bereitstellen. Die Zuweisung der Hausärzte-Quote solle nicht an der Einwohnerzahl, sondern an der Zahl der Übernachtungen gemessen werden, betonte die CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Buschmann. Norderney hat im Jahr 4 Millionen Übernachtungen – bei nur 6000 Einwohnern. Der Auricher Landrat Olaf Meinen sagte, die Norderneyer seien froh, dass es noch eine eigene Klinik auf der Insel gebe. In den nächsten Jahren fehlten aber 1300 niedergelassene Ärzte – umso wichtiger sei es, die Uni-Medizin in Oldenburg zu stärken. Meinen fügte hinzu, ein anderes großes Problem auf den Inseln sei die Wohnungsnot. Für Einheimische fehlten erschwingliche Unterkünfte, da viele Wohlhabende sich Ferienwohnungen kaufen und dort nur wenige Wochen im Jahr leben. Die Knappheit treibe die Preise in die Höhe. Der Norderneyer Kurdirektor Wilhelm Loth klagt: „Die Bürokratie verhindert inzwischen die Entwicklung. Je mehr über Bürokratieabbau geredet wird, desto mehr Bürokratie entsteht.“


  • CDU will weiteren Nachtragshaushalt: Die CDU will einen zweiten Nachtragshaushalt für dieses Jahr – da die bisher bereitgestellten 110 Millionen Euro für diesen Zweck nicht ausreichten. Die Richtlinien für die Beseitigung der Hochwasserschäden seien nicht transparent genug, außerdem habe die CDU Sorge, dass Sturmschäden auf der Insel offenbar nicht abgegolten werden sollen. Folglich sei es sinnvoll, die Summe auf 220 Millionen Euro zu verdoppeln. Die laufenden Steuereinnahmen des Landes seien so hoch, dass man dies daraus finanzieren könne. (kw)
Dieser Artikel erschien am 24.4.2024 in Ausgabe #076.
Klaus Wallbaum
AutorKlaus Wallbaum