
Die Zahl der Messerangriffe im öffentlichen Raum hat nach wie vor ein hohes Niveau. In der polizeilichen Kriminalstatistik für das vergangene Jahr, die Innenministerin Daniela Behrens (SPD) und Landespolizeipräsident Axel Brockmann am Montag vorgestellt haben, ist von 3185 Fällen die Rede. In 1739 Fällen haben Täter damit gedroht – und bei Betroffenen wie Zeugen damit Angstgefühle ausgelöst. 90 Prozent der Tatverdächtigen waren Männer, 44 Prozent hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. Die Ministerin erklärte, sie wolle als Konsequenz dieser Entwicklung die Waffenverbotszonen ausweiten. Landesweit solle per Verordnung festgelegt werden, dass in Bussen und Bahnen keine Messer oder andere Waffen mitgeführt werden dürfen. Das betreffe dann auch die Halte- und Sammelstellen, ebenso die Bahnhöfe. Was die Bahnhöfe der Bundesbahn angeht, liegt die Zuständigkeit bei der Bundespolizei. Bisher gibt es in mehreren Städten schon solche Waffenverbotszonen, häufig rund um die Bahnhöfe oder bestimmte, stark belebte Plätze. Das betrifft Hannover, Braunschweig, Göttingen, Osnabrück und Wolfsburg. Überall, wo solche Zonen bestehen, kann die Polizei auch entsprechende Kontrollen durchführen und verdächtige Personen durchsuchen.
Behrens und Brockmann erklärten, dass die diesjährige Kriminalstatistik eine „positive Entwicklung“ zeige. So sei die Kriminalität seit 2023 weiter rückläufig. Im vergangenen Jahr seien landesweit 507.000 Straftaten ermittelt worden, 4,3 Prozent weniger als 2024. Die Aufklärungsquote liege mit 62,7 Prozent erfreulich hoch. Die Straftaten gegen das Leben, also Mord und Totschlag, seien um 32 Prozent zurückgegangen. 207 Fälle hat es 2025 in Niedersachsen gegeben. Körperverletzungen, die in der Polizei „Rohheitsdelikte“ genannt werden, wurden in 96.015 Fällen festgestellt, das sind 1,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Sorge bereitet der Polizei vor allem der hohe Stand der Fälle häuslicher Gewalt mit 32.540 Fällen, was etwa dem Niveau des Vorjahres entspricht. „Darauf legen wir einen besonderen Fokus. Es geht um Gewalt dort, wo man sich eigentlich sicher fühlen sollte – in den eigenen vier Wänden“, sagte Behrens. Die Hauptbetroffenen seien Frauen. Bei den Wohnungseinbrüchen stieg die Zahl um 10,8 Prozent auf 7985 Fälle, das liege aber weiter deutlich unter dem Höchststand von 2016, als mehr als 16.000 Fälle registriert wurden. Was den Rauschgifthandel und -besitz angeht, sank die Zahl um 14,7 Prozent auf 33.264 Fälle. Behrens sagte, die Zahl sei nicht beruhigend – denn mit der Teil-Legalisierung von Cannabis habe die Polizei „einen deutlich schlechteren Zugang zu kriminellen Strukturen“. Andererseits gebe es für Konsumenten zu wenig Möglichkeiten, legal an den Stoff zu gelangen. Die Ministerin sagte, sie hoffe auf eine Nachbesserung des Gesetzes auf Bundesebene. Die erlaubte Menge Cannabis für den Eigenkonsum sei mit 25 Gramm viel zu hoch – denn das reiche für 60 bis 120 Joints. Sie befürworte eine Herabsetzung dieser zulässigen Obergrenze. Der Grünen-Innenpolitiker Michael Lühmann wandte sich allerdings „gegen die Rückkehr zu einer restriktiven Politik“ und forderte „die Ausweitung des legalen Anbaus“.
Der CDU-Innenpolitiker André Bock kommentierte die Darstellung der Ministerin so: "Die aktuelle polizeiliche Kriminalstatistik zeigt zwar insgesamt leicht rückläufige Fallzahlen, macht aber zugleich deutlich, wo die wirklichen sicherheitspolitischen Herausforderungen liegen: Häusliche Gewalt und Messerkriminalität bleiben auf besorgniserregend hohem Niveau."


