(rb) Die niedersächsische Seehafenstadt Emden steht inzwischen europaweit an dritter Stelle, wenn es um die Verschiffung von Automobilen geht. Im vergangenen Jahr wurden an den Kaianlagen der ostfriesischen Stadt 1,4 Millionen Fahrzeuge umgeschlagen; mehr Autos für den Im- und Export wurden nur in Bremerhaven und im belgischen Zeebrügge verschifft. Doch jenseits der Grenze nimmt die Wirtschaft deutlich kräftiger an Fahrt auf. Im Blickfeld Emdens und nur einen Steinwurf vom Ufer des Dollart entfernt baut das US-amerikanische Unternehmen Google auf einem fast 50 Hektar großen Areal ein riesiges Rechenzentrum. Der Internet-Suchmaschinen-Gigant investiert deshalb in der niederländischen Hafenstadt Eemshaven rund eine Milliarde Euro, schafft viele neue Jobs auch für gut qualifizierte deutsche Arbeitnehmer. Google wird nach der Fertigstellung des Bauvorhabens in Eemshaven eines seiner vier großen Rechenzentren in Europa betreiben. Dort stehen die Server für die Karten- und e-Mail-Dienste des Internet-Unternehmens.
Damit nicht genug: Der deutsche Unternehmer, Fußball-Mäzen, SAP-Gründer und Investor Dietmar Hopp baut für mehr als 30 Millionen Euro in Delfzijl an der Ems-Mündung den größten Solarpark der Niederlande. Dort sollen auf einer Fläche von 30 Hektar insgesamt 123 000 Solarmodule für die Stromgewinnung aufgestellt werden. Der Baubeginn für den „Sunport Delfzijl“ soll noch in diesem Frühjahr erfolgen.
Unterdessen hat der niederländische Staatskonzern Gasunie die vor fünf Jahren zunächst aufgegebenen Pläne zum Bau eines Gasterminals in Eemshaven wieder aufgegriffen. Das Energieunternehmen, das in den Niederlanden und Deutschland ein fast 16 000 Kilometer langes Fernleitungsnetz für Erdgas betreibt, will in Eemshaven LNG-Flüssiggas (Liquefied Natural Gas) umschlagen. Vor dem Hintergrund der Abhängigkeit Westeuropas von Gaseinfuhren aus Russland gewinnt Flüssiggas zunehmend an Bedeutung. Allerdings gibt es in Deutschland bisher kein Anlande-Terminal für LNG. Als Niedersachsens früherer Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) kürzlich in einer Anfrage an die rotgrüne Landesregierung Auskunft zu möglichen LNG-Planungen an der niedersächsischen Küste verlangte, verwies das hannoversche Wirtschaftsministerium auf die Terminals im benachbarten Ausland. Deutschland habe Zugang zum LNG-Markt über Belgien, die Niederlande und andere europäische Staaten. Außerdem seien deutsche Energieversorger an LNG-Terminals im Ausland beteiligt und bauten diese Beteiligungen noch aus.
Auch im Bereich der Offshore-Versorgung tut sich was in den Niederlanden. Noch in diesem Jahr soll ein neuer Hubschrauberlandeplatz in Eemshaven seinen Betrieb aufnehmen. Er wird benötigt, um die Mitarbeiter zu den Offshore-Windanlagen fliegen zu können. Die Emder Reederei AG Ems hat im vorigen Sommer in Eemshaven außerdem einen neuen 150 Meter langen Offshore-Anleger in Betrieb genommen. Hier legen Schiffe an, die beim Bau von Windanlagen in der Nordsee gebraucht werden. Die neue Anlage wurde in unmittelbarer Nähe zum Borkum-Fähranleger der AG Ems errichtet.
Gegenüber dieser rasanten Entwicklung an der grenznahen niederländischen Nordseeküste sind vergleichbare wirtschaftliche Entwicklungen hierzulande eher bescheiden: Emden erhält einen Großschiffliegeplatz, den die landeseigene Betreibergesellschaft des Emder Hafens, Niedersachsen-Ports, für rund 55 Millionen Euro bauen lässt. Ein Planfeststellungsverfahren soll noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Mit einer Fertigstellung wird frühestens im Jahr 2021 gerechnet. Im vergangenen Jahr hat der Seehafen Emden einen neuen Dalbenliegeplatz erhalten. Er soll dem gut funktionierenden Automobil-Umschlag zusätzlichen Schwung verleihen. Niedersachsen-Ports hatte dafür rund 8,7 Millionen Euro ausgegeben. Und weil in Deutschland der Offshore-Bereich ebenfalls zunehmende Bedeutung gewinnt, investiert die Hafenbetreibergesellschaft des Landes auch in den Hafen von Norddeich. Dort sollen mehrere neue Liegeplätze für Offshore-Versorgungsschiffe entstehen. lyDieser Artikel erschien in Ausgabe #41.